Der
"Messerkerl" im Eggegebirge
Messerkerl wieder geschändet!
Im August 2003 ist der etwas
lädierte Gedenkstein des Messerkerl restauriert worden. Die Freude
währte allerdings nicht lange. Etwa um den 20./21. September herum
ist das Denkmal geschändet worden. Dabei wurde der rechte Kreuzbalken
mit dem Engelskopf abgeschlagen (siehe Pressephoto unten). Er ist unauffindbar.

Das Bild links unten zeigt den Zustand des Denkmals
vor der Restaurierung, das Bild rechts den Zustand bis zur erneuten Schändung.

Die neuen Hinweisschilder der Forstverwaltung:
Der "Messerkerl" liegt oberhalb des Römergrundes,
dicht an der alten Grenze zwischen Lippe und Paderborn auf dem alten Stadtweg
Paderborn-Horn, nicht weit von Kempen bei Altenbeken. Der Messerkerl ist
ein seltsam geformtes Sandsteindenkmal; sagenumwoben liegt es in einer
Höhe von etwa 400 m. Es ist zur Erinnerung an einen hier im Sept.
1752 ermordeten Wanderhändler gesetzt worden.
Es war Albert MeiJer aus Volklage (Münsterland),
ein angesehener Kaufmannshändler. Die Inschrift des Steinmals lautet:
„1752 DEM 28 SEBTEMBER IST ALLHIER ERBÖRMLIG UM SEIN LEBEN GEKAMEN
ALBERT MEIJER VON VOLTLAGEN BETTE VOR SEINE SEL UNT UOR ALLE REISENTE EIN
UATTER UNSER AFE MARIA".
Die reiche Darstellung des Kreuzigungsmotivs in der
bewegten Sprache des Barocks ist Ausdruck der Teilnahme. Die 1,90 m hohe
Sandsteinplatte geht nach oben in die Form des Kreuzes über. Deutlich
zeigt sich in der Formsprache des Barocks der schmerzhafte Ausdruck Jesu,
des Gekreuzigten, der schmerzerfüllten Gottesmutter und des die Mutter
tröstenden Johannes. Der Meister des Hochreliefs könnte aus Sandebeck
stammen.
Das Steinkreuz ist ein einzigartiges Töddendenkmal.
Das für damalige Zeit recht aufwendige Mal beweist die starke Verbundenheit
der Eggedörfler zu den Tödden (bäuerlichen Wanderhändlern).
Sie lassen keinen Vergleich zu den heutigen Hausierern zu. Diese Händler,
deren Gewerbe, durch Generationen ausgeführt, traditionstreu, rechtschaffen
und lauter war, waren seinerzeit recht begütert. Sie leiteten damals
den Versandhandel für das Landvolk. Ansehnliche Kaufmannsfamilien
im westfälisch-münsterländischen Raume gehen nachweisbar
auf diese Wanderhändler zurück, z.B. Hettlage und Brenninkmeyer.
Auch die Sage hat sich der Mordtat bemächtigt.
Der wandernde Kaufmann, von Horn kommend, hat den Eggekamm überschritten
und befindet sich auf dem Wege zur Stadt Paderborn. Es ist Herbst, der
Reisende gönnt sich eine kurze Rast. Zuvor will er noch einige Zinnlöffel
gießen. Das Feuer loht unter der Pfanne; Zinnklumpen sollen sich
verflüssigen. Gegen den Fuchs hat er neben seinem Brotsack ein Tellereisen
fängig gestellt. Schnell schläft der müde Wanderer ein.
Da kommt ein struppiger Dunkelmann des Weges,
ein Mann mit dem bösen Blick. Dieser fasst die Pfanne beim Stiel und
gießt die Siedmasse in den halbgeöffneten Mund des Schläfers,
der darauf schreiend elendiglich erstickt. Der Unhold durchsucht Ranzen
und Taschen, er findet aber nichts. Beim Herumstöbern im Müll
tritt er auf das Fangeisen, das krachend seinen Fuß zerschlägt.
Im Stürzen reißt er die glühende Pfanne über sich,
dabei verbrennt er durch die noch heiße Masse.
Die Photos zeigen von oben nach unten: die Kreuzigungsgruppe,
die Inschrift, Maria unter dem Kreuz, Johannes, den Gekreuzigten und den
Totenschädel Adams unter dem Gekreuzigten. Durch sein Blut, so die
Vorstellung ist Adam (sind wir) von Sünde und Tod befreit. Der
Messerkerl ist somit nicht nur Erinnerung an einen ermordeten Kaufmann,
sondern auch ein Glaubenszeugnis.
Besuchen Sie auch Hindahls Kreuz
(den "Eisernen Herrgott")
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