Auswertung
Eine umfassende Auswertung ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt
noch nicht möglich. Aber gewisse Beobachtungen und Tendenzen
möchten wir Ihnen unter allem Vorbehalt schon jetzt mitteilen.
- Ganz allgemein lässt sich feststellen, die Revisionen der
Lutherbibel bis einschließlich 1964 (R64) liegen noch ziemlich
nahe am "ursprünglichen" Luthertext (MLO). Dies scheint sich mit
der Revision von 1984 zu ändern, obwohl es sich hierbei um eine
Revision einer Revision, nämlich der aus dem Jahre 1975, handelt.
- Bei der Verwendung von Konjunktiven, Präpositionen und
Artikeln scheint der Trend hin zur Vereinfachung und Vereinheitlichung
("auf dass" – "damit"; "da" – "als"; "demselben" – "dem"; "jeglichem" –
"jeden"; ."wiederum" – "wieder") zu gehen, Verbendungen auf "et"
("dienet"; "lobet"; ...) fallen zumeist weg.
Hierbei handelt es sich zwar nicht um bedeutungs- und inhaltsschwere
Veränderungen, aber das lutherische Sprachkolorit geht dadurch
fast verloren. Der Text klingt zwar moderner und
zeitgemäßer, er passt sich dem Schriftdeutsch, das wir von
Zeitungen und aus Büchern kennen, an - dies jedoch um den Preis
der Unverwechselbarkeit und Eigenart der Luthersprache.
- Konjunktive werden ab R84 zumeist mit Indikativen wiedergeben.
Damit folgt die Revision der allgemeinen Sprachentwicklung; ob das
jedoch so wünschenswert sein kann, bleibt zu fragen. Vielleicht
könnten wir ja gerade gegen den Trend der Zeit mit der Lutherbibel
einer Verarmung unserer Sprache entgegenwirken?
- Auffallend ist, dass manche Texte, wie die Psalmen 23 und 100,
im Lauf der Revisionen der Lutherbibel von 1545 bis heute 1984 so gut
wie nicht verändert wurden. In diesen Fällen hat R84 auch die
Verbendungen beibehalten (Ps 23 "erquicket"; "führet"; ... Ps 100
"jauchzet"; "erkennet"; ...). Eine bewusste Inkonsequenz der letzten
Lutherrevision? Wenn ja, warum? Weil diese Texte stärker im
Kirchenvolk verankert sind? ... Was würde dies aber über die
Revisionsarbeit aussagen?
Weitere Ergebnisse werden folgen ...