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Zahl:
Abstraktion als gleichartig kategorisierter Gegenstände auf ein sprachliches Äquivalent ihrer
minimalen Aliquotheit. Das evtl. dazugehörige Graphem, die -->Ziffer, ist dazu sekundär. – Die Fähigkeit zu
dieser ziemlich anspruchsvollen Abstraktion setzt sowohl biologisch eine entsprechend leistungsfähige
neuroanatomische Grundlage wie historisch eine gewisse gesellschaftliche Entwicklung voraus. Die
biologische Voraussetzung wird dadurch deutlich, daß Kinder vor dem 3. Lebensjahr keinen Zahlbegriff
entwickeln und daher nicht zählen lernen können; die erste als solche wahrgenommene, d.h. als Ergebnis der
entsprechenden Abstraktion wahrgenommene ~ ist stets drei, von der aus die weiteren ~en dann rasch erlernt
werden; eins und zwei werden dann, ähnlich wie viel später Null oder Minus-~en etc., sekundär vom
mittlerweile gebildeten ~begriff erfaßt. Der Abstraktion der ~ geht also die Wahrnehmung von Strukturen
voraus (z.B. »einfach« vs. »doppelt«), die an angeordnete Gegenstände gebunden ist; sie ist also etwas sehr
Abgeleitetes, ganz und gar nicht »Primäres«, »Apriorisches« usw. Auf der Ebene der gesellschaftlichen
Entwicklung entspricht dem die Tatsache, daß sehr ursprüngliche, primäre Jäger- und
Sammlergesellschaften, insbesondere die »Buschmänner« (=»San«), überhaupt keinen ~begriff kennen;
jedoch können ihre Mitglieder ihn, nicht zu hohes Alter vorausgesetzt, von denjenigen entwickelterer
Gesellschaften ohne weiteres erlernen. (»Fünf« heißt bei ihnen ohne fremden Einfluß also »zwei und zwei und
noch einer«.) Das zeigt im Umkehrschluß, daß die Kinder keiner Gesellschaft von sich aus, also ohne äußere
Anleitung, den Begriff »drei« bzw. überhaupt ~en entwickeln würden. Die volle Entwicklung und Stabilisierung
des ~begriffs wurde überhaupt erst in der späten, fortgeschrittensten Phase der sumerischen Hochkultur
abgeschlossen.
Die biologische Grundlage für den Aufbau des ~begriffs ist neben dem für die Abstraktion nötigen
neuronalen Apparat derjenige für die Erkennung entsprechender Strukturen. In letzterer Hinsicht ist, wie
tachistoskopische Experimente zeigen, der menschliche nicht einmal der leistungsfähigste; ohne das durch
Abstraktion gewonnene Hilfsmittel der ~ können Menschen fünf und sechs (sc. gleich angeordnete gleiche
Punkte) sicher unterscheiden, Dohlen – die dieses Hilfsmittel ja nicht haben – in analogen Experimenten mit
Anstrengung acht bis neun.
Alle Völker, welche überhaupt Zahlwörter als Folge eines Zahlbegriffs entwickelt haben, taten dies aufgrund
der menschlichen Fingerzahl auf der Basis zehn, von welcher aus Potenzen gebildet werden (hundert,
tausend, zehntausend); nur bei den Mayas wurde dieses System (wohl durch den Einbezug der Zehen) früh
von einem Zwanzigersystem überlagert. Trotzdem dauerte es sehr lange, bis sich dieses sprachlich stets
vorhandene System auch in den ~zeichen niederschlug (-->Ziffer); die Existenz bzw. Koexistenz davon
abweichender Zählsysteme (z.B. --->Dutzend) hatte darauf niemals einen Einfluß, »zwanzig«, »dreißig«,
»hundert« (lat. viginti, triginta, centum; chin. , , [èrshí,
sanshí, bai]) usw.) bedeuten überall 20,
30, 100, niemals 24, 36, 144 oder Vergleichbares. Übrigens heftet sich Aberglaube, also ein Indiz häufiger
emotionaler Besetzung, niemals an die aufgrund ihrer leicht erkennbaren biologischen Grundlage »rational«
oder »instrumentell« erscheinende Zehn, sehr häufig jedoch an drei (die erste als solche erlebte Zahl,
vielleicht auch »unheimlich« als Zahl der für das Kind »unergründlichen« unpaarigen Körperöffnungen),
sieben (immerhin der paarigen plus unpaarigen), neun (dito plus Augen, in denen man ebenfalls »pulen«
kann) und zwölf; letztere Zahl nimmt aufgrund ihrer leichten Herleitbarkeit von allen durch Beweglichkeit dafür
geeigneten Zählextremitäten eine emotionale Mittelstellung ein. – Auch mit anderen Zahlen hat sich
Aberglauben verbunden, aber sporadischer und/oder spezifischer.
Literatur: Georges Ifrah, Universalgeschichte der Zahlen, Frankfurt/New York (Campus) 1991; Jean Piaget, Gesammelte Werke, Band
3, Die Entwicklung des Zahlbegriffs beim Kinde, Studienausgabe, Stuttgart 1975.
Alle Zahlen, für welche in jenen Sprachen, welche überhaupt echte, d.h. über »2« hinausgehende Zahlwörter
enthalten, nicht-zusammengesetzte Zahlwörter existieren oder im Bedarfsfall problemlos und eindeutig
gebildet werden können, heißen natürliche Zahlen (1,2,3,4,5,6 usw.). Für sie gelten die fünf Peano'schen
Axiome:
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I.) 1 ist eine natürliche Zahl.
II.) Zu jeder natürlichen ~ gibt es eine und nur eine weitere
natürliche ~ n' = n+1, die der Nachfolger von n genannt wird.
III.) Es gibt keine natürliche ~ mit 1 als Nachfolger.
IV.) Verschiedene natürliche ~en haben verschiedene Nachfolger.
V.) Wenn M irgendeine Menge natürlicher ~en mit den
Eigenschaften
1 ? M und n ? M ? n' ? M
ist, so ist M die Menge aller natürlichen ~en (= |N)
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Innerhalb des Bereichs (= Menge, genaugenommen der Halbgruppe bezüglich der Addition, |N) natürlicher
Zahlen lassen sich alle Additionsaufgaben durchführen (somit auch alle darin ja als Spezialfälle enthaltenen
Multiplikationsaufgaben und Potenzierungsaufgaben). Um auch alle Subtraktionsaufgaben durchführen zu
können, wird der Bereich der natürlichen Zahlen um die negativen Zahlen erweitert, d.h. diejenigen Zahlen,
die, wenn alle natürlichen Zahlen in jeweils gleichem Abstand auf einem mit Null beginnenden Strahl
angeordnet werden und dieser in die Gegenrichtung zu einer Zahlengeraden erweitert wird, von dessen
Nullpunkt exakt den (symmetrisch) gleichen Abstand haben wie ihre absoluten Werte. Sie erhalten in diesem
Fall das Vorzeichen »-« (»minus«; -4 heißt also »minus vier«).
Zahlenstrahl:
—————————————---------------------> 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 usw.
Zahlengerade:
———?——------------------------------------------------------> 12 -11 -10 -9 -8 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 usw.
Alle Zahlen, deren Wert sich auf derjenigen Hälfte der Zahlengeraden auftragen läßt, welcher der negativen
gegenläufig ist, heißen positive Zahlen. Die Gesamtheit aller positiven und negativen Zahlen sowie der
zwischen ihnen liegenden Null, mit welchen alle Additions- und Subtraktionsaufgaben durchführbar sind, aber
keine weiteren, heißen ganze Zahlen.
Damit auch alle -->Divisionsaufgaben durchführbar sind, wurden – in unterschiedlicher Schreibweise –
weitere Zahlen eingeführt, die Brüche. Diese entstehen durch -->Division; ihre Schreibweise erfolgt je nach
Bedarf durch die Darstellung der Divisionsaufgabe (z.B. =1:4) oder durch deren Ergebnis als Dezimalbruch
(z.B. 0,25= ). Als solches Divisionsergebnis zwischen natürlichen Zahlen kann entweder ein endlicher oder
ein periodisch unendlicher, d.h. ein bestimmte abfallende Folge negativer Zehnerpotenzen unendlich
wiederholender Dezimalbruch entstehen (z.B. 1/7=0,142857142857142857 usw. = ). Alle natürlichen
Zahlen und Dezimalbrüche (bzw. Ergebnisse von Divionsaufgaben im Körper Q) zusammen heißen rationale
Zahlen.
Weitere Dezimalbrüche, deren unendliche Folge abfallender negativer Zehnerpotenzen keine
vorhersagbarben Reihen bzw. Regelmäßigkeiten aufweist, können durch Radizieren (d.h. Ziehen der
--->Wurzel) positiver Zahlen entstehen (z.B. v3, ); sie heißen dann algebraïsch irrationale Zahlen. Weitere
Dezimalbrüche mit »unendlicher nicht-periodischer Verlängerung«, also weitere irrationale ~en, erhält man als
Ergebnis nicht-algebraïscher Aufgaben, z.B. der Division zweier Funktionen durch einander (der Quotient des
Kreisumfangs und seines Radius, welche ja beide als Funktionen darstellbar sind, ergibt die irrationale Zahl p
), durch Sinus, Cosinus, Tangens und Cotangens oder die -->Euler'sche Zahl. Alle diese irrationalen Zahlen,
welche nicht als Wurzelausdrücke darstellbar sind, heißen transzendente irrationale Zahlen. Alle rationalen
und irrationalen ~en zusammen füllen die Zahlengerade lückenlos; ihre Gesamheit heißt daher reelle Zahlen.
Ihnen sind alle ~en gegenüberzustellen, die als Lösung der Gleichung entstehen, sofern n eine gerade ~
ist, d.h. welche den Faktor v-1 enthalten, also die 2. Wurzel (=Quadratwurzel) aus -1, jene Zahl, welche mit
sich selbst multipliziert -1 ergäbe. (Man muß sie sich also vorstellen=imaginieren; sie heißt darum imaginäre
Zahl und wird i [manchmal j] geschrieben; v-1 = i). Imaginäre ~en können z.B. als Bestandteil der Lösungen
von Aufgaben auftreten, welche Funktionen zueinander in Beziehung setzen, etwa einen Kreis und eine
Gerade; enthalten in diesem Fall die errechneten Koordinaten der Schnittpunkte beider Funktionen den Faktor
i, so besagt das, daß die Gerade den Kreis weder schneidet noch berührt; die Koordinaten mit dem Faktor i
geben uns gewissermaßen die Punkte an, wo die Gerade den Kreis schneiden würde, wenn sie ihn
schneiden würde.
Alle reellen und imaginären ~en zusammen heißen komplexe Zahlen. Ersetzt man in einer Gleichung eine
komplexe Zahl durch ein Symbol, z.B. einen Buchstaben, so heißen diese Symbole allgemeine Zahlen (z.B.
a+b=c). Die Mengen, die von den vorgeführten Zahlengruppen gebildet werden, haben jeweils Körperstruktur
und werden mit konventionellen Kürzeln bezeichnet.
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