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Ergänzung
GOTT und KIRCHE
Gott
(am wahrscheinlichsten von german. gautan »gießen«; »das,
dem gegossen wird = Libationsempfänger = Bündnis- und Vertragswächter«;
vgl. den Stammes[bündnis]namen Goten = »Gießer«, also [gemeinsam]
Trankopfer Spendende = »Verbündete«; - abwegig »gegossenes Kultbild«, da
hölzerne Kultbilder im german. Raum die Regel waren; konkurrierende
Ableitung von skr. gauhati »er ruft an«), der, urspr. das:
gesellschaftlich standardisierte phantastische Person von
tendenziell unbegrenzter Lebensdauer und wundersamen
Eingriffsmöglichkeiten, die normalerweise oder immer in einem kaum oder
gar nicht zugänglichen Bereich lokalisiert ist. - Götter stehen am
Ende einer langen Entwicklungslinie kollektiver Phantasien, welche stets
mit Geistern
beginnt; jedenfalls lassen sich solche in der kollektiven Phantasie stets
dort an der Stelle von Göttern nachweisen, wo sehr ursprüngliche
Gesellschafts- und Wirtschaftsformen der Menschheit überlebt haben.
Die
Unterschiede zwischen Göttern und Geistern sind fließend; gutes
Anschauungsmaterial bietet z.B. die älteste überlieferte Schicht der
römischen, nicht jedoch der griechischen Religion. Die vorgestellte
Wirksamkeit der Geister ist sehr stark ortsgebunden, manchmal sogar
gegenstandsgebunden, während diejenige echter Götter sich immer mehr von
bestimmten Orten löst; jedoch kann sie an zu diesem Zweck errichteten
Kultorten (oder bestimmten Traditionsorten) leichter als an anderen
beeinflußt werden. Sie bleibt dabei sehr häufig auf bestimmte menschliche
Interessenbereiche beschränkt (oder konzentriert sich darauf); diese
können aufgrund kausaler Verknüpfung auch als natürliche Bereiche
erscheinen, so vor allem das Wetter in einfachen
Agrargesellschaften.
Ebenfalls fließend ist der
Unterschied zwischen Göttern und Heiligen; letztere
haben grundsätzlich immer als - historische oder fiktive - Menschen
angefangen, bevor sie gesellschaftlich standardisierte Phantasiepersonen
im gegebenen Sinne wurden, aber auch traditionelle Götter, z.B. Herkules,
können diese Vorgeschichte aufweisen. Während funktional
zwischen Göttern und Heiligen keine Unterschiede auszumachen sind,
bestehen in den modernen Religionen, d.h. stabilen und definierten
mythologisch-rituellen Systemen, solche Unterschiede auf einer
quasi-juristischen Ebene: Heilige beginnen stets als Anhänger schon in
gemeinsamer Verehrung befindlicher Götter und erweitern durch ihre
Existenz nur bestehende Mythologien, werden aber diesen gegenüber niemals
selbständig. Faktisch-historisch können Heilige dagegen problemlos an die
Stelle schon bestehender Götter oder Heroen treten:
Petrus ersetzt z.B. oft frühere Wettergötter, Georg Perseus, Maria je nach
Ort Isis, Athene und viele ähnliche Göttinnen.
Alle Götter
sind letztlich phantastische Menschen; dies geht aus ihrem ganzen
Empfinden und Handeln hervor, sogar wenn sie - teilweise - tiergestaltig
oder auch angeblich gestaltlos auftreten wie die Götter der Philosophen
oder der abrahamitischen Religionen. Besonders diese letzteren, in denen
sich vornehmlich der Aspekt der Gewalt und Bevormundung konzentriert,
leitet die Verhaltensforschung von den Alpha-Primaten in der erlebten
Horde, die Psychoanalyse von den infantil erlebten Eltern, bes. dem Vater,
ab.
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