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125 Jahre Tradition im
Wandel der Zeiten

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Die Anfänge der Wiedergeltinger
Schützen liegen bereits mehr als
hundertfünfundzwanzig Jahre zurück. Eine
Einladung vom 22. Juli 1879 - erschienen im
Kaufbeurer Anzeigenblatt - bezeugt, daß bereits
damals eine Schützengeseilschaft bestand und
weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt war.
Die Freude am Schießsport veranlasste die damaligen
Gründungsmitglieder, sich 1883 zu einem Verein
zusammenzuschließen. Sportlicher Ehrgeiz,
Kameradschaftsgeist und die Einfügung in das
gesellschaftliche Dorfgeschehen bildeten die
Grundlage für die Vereinsführung. |
Der Ausbruch des 1.
Weltkrieges im Jahre 1914 beendete jäh dieses frohe und
gesellige Treiben. Was in den Jahren zuvor Entspannung
von schwerer Bauernarbeit bedeutete, wurde für viele in
den nächsten vier Jahren zu einem blutigen Schießen.
Die Gedenktafeln zu Ehren der Gefallenen in der
Wiedergeltinger Kirche zeugen heute noch von einem
sinnlosen Sterben während dieser Zeit, die in den Reihen
der Schützenkameraden große Lücken hinterließ. Erst
im Jahre 1922 konnte wieder ein regelmäßiger
Schießbetrieb aufgenommen werden.
Ihr 40jähriges Vereinsbestehen feierten die Mitglieder
am 25. Mai 1923 mit einem zünftigen Jubiläumsschießen.
Dabei wurde das einzig noch lebende Gründungsmitglied -
Josef Kienle sen. - von sämtlichen Schützenbrüdern mit
Musik von seiner Wohnung ins Ritter‘sche Gasthaus
geleitet und dort in einer Feierstunde geehrt.
Anschließend bewegte sich der Schützenzug, voran die
Schützenlieseln mit dem Jubilar in der Mitte, zum
Vereinsmitglied und Bahnhofsrestaurateur-Wirt Bissinger.
Beim friedlichen Wettstreit über Kimme und Korn wurden
Scheiben und Preise ausgeschossen. Im Juli des gleichen
Jahres wurde in Bad Wörishofen ein kleines
Preisschießen abgehalten, bei welchem der Schützengau
Türkheim aus der Taufe gehoben wurde. Unser Verein trat
mit 14 weiteren Vereinen dem neuen Gau bei, dessen Sitz
in Türkheim war. Jeder 1. Schützenmeister gehörte dem
Gauausschuss als Mitglied an.
Als im Juni 1924 der Wunsch nach einer Vereinsfahne laut
wurde, erklärte sich Ludwig Glöggler jun. bereit, die
Näharbeiten zu übernehmen. Alois Schaule fertigte die
Fahnenspitze. Die Vorderseite der Fahne sollte das
Vereinsabzeichen, die Rückseite eine Ringscheibe zieren.
Am 11. November 1925 war es soweit. Ortsgeistlicher
Pfarrer Schipfel weihte die neue Vereinsfahne. Die
anschließende Messe wurde zu Ehren der gefallenen
Schützenkameraden gelesen.
Beim ersten Gauschießen im Juli 1924 in Türkheim traten
die Wiedergeltinger Schützen zum ersten Mal offiziell
auswärts auf. Mit 23 Vereinsmitgliedern beteiligten sie
sich recht erfolgreich an diesem Gauwettkampf.
Am inzwischen schon legendär gewordenen Wiedergeltinger
Sommerkeller wurde am 5. August 1929 ein Kleinkaliber-Schießstand
eröffnet. Die neu gegründete Kleinkaliberabteilung
veranstaltete dabei ein Stern- und Königsschießen. Beim
Gauschießen im Jahre 1932 errang der Verein zum dritten
Male den Gau-WanderpokaI, der damit zum Eigentum des
Vereins wurde und heute noch die Pokalsammlung im
Schützenheim ziert.
Die nationalsozialistische Bewegung, die 1933 an die
Macht kam, suchte Rückhalt in breiten Kreisen der
Bevölkerung. Sie ordnete deshalb eine Gleichschaltung
der Vereine an. Diese Gleichschaltung war mit der Neuwahl
der Vorstandschaft im Jahre 1933 einziges Thema einer
außerordentlichen Generalversammlung. Die Bestimmungen
lauteten, dass die alte Vorstandschaft zurückzutreten
habe und eine neue gewählt werden müsse. Als Leiter der
Gleichschaltung fungierte ein Parteigenosse. Zu dessen
Unterstützung waren auch einige Herren des Gemeinderates
anwesend. Die neue Vorstandschaft musste mindestens zu 51
Prozent aus Mitgliedern der Ortsgruppe bestehen.
Winterhilfswerkschießen, Unterkreisschießen,
Schützenbälle und der Ausbau der Schießanlage am
Wiedergeltinger Keller - zwei Schießstände für
Wehrmannsgewehre wurden errichtet - beschließen die
Einträge im Protokollbuch. In diesen Jahren wurde der
Schießsport schon den wehrpolitischen Grundsätzen
untergeordnet. Mit Wehrmannsgewehren mussten
vorgeschriebene Übungen auf der Schießanlage am
Sommerkeller durchgeführt werden.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 brachte das
aktive Vereinsleben wieder für unbestimmte Jahre zum
Erliegen. Nach dem Ende des furchtbaren Krieges mussten
1945 auf Geheiß der amerikanischen Besatzungsbehörden
sämtliche Waffen abgeliefert werden.
Die vorbildliche Schießanlage am Wiedergeltinger Keller
wurde zerstört. Damit verlor der Schützenverein die
Grundlage zur sportlichen Betätigung und war um seinen
Lebensnerv beraubt. Die traditionsreiche Stätte der
Begegnung, für Schützenkameraden aus nah und fern
während der vergangenen beiden Generationen zu einem
beliebten Treffpunkt geworden, existierte nicht mehr.
Darüber hinaus sind sämtliche schriftliche Unterlagen
vernichtet worden und die prächtige Schützenkette eine
Beute amerikanischer Soldaten geworden.
Im Jahre 1950 als die amerikanische Militärregierung den
Schießsport wieder zuließ, wurden auf Initiative von
Max Huber alle ehemaligen Mitglieder des Vereins, sowie
interessierte Jugendliche zum Wiederbeginn des
Schützenbetriebes ins Gasthaus Ritter geladen. Dabei
zeigte sich, dass der alte Wiedergeltinger Schützengeist
sich trotz der langen, leidvollen Kriegszeit erhalten hat.
Am 10. November 1951 wählten 30 Mitglieder ihre neue
Vorstandschaft. Schießlokal wurde das Gasthaus Ritter.
Geschossen wurde von der Gaststube aus durch die Küche.
Bei diesen, für heutige Begriffe unmöglichen
Bedingungen, ist es trotzdem nie zu einem Unfall gekommen.
Zu seinem 70jährigen Bestehen veranstaltete der Verein
vom 18.-26. April 1953 ein Jubiläumsschießen auf 18
Ständen in der mit Fahnen und Tannengrün geschmückten
Turnhalle, 412 Schützen gaben dem Verein die Ehre.
1957 wurden erstmals Fernwettkämpfe im Bezirk Schwaben
durchgeführt, an denen sich auch die heimischen
Schützen beteiligten. Im Gau erreichten sie den 4. Platz,
die Jungschützen sogar den 1. Platz
Ein Höhepunkt in der Nachkriegsgeschichte des Vereins
war sein 90jähriges Bestehen verbunden mit dem 22.
Gauschießen und der Weihe der neuen Schützenfahne. Die
festlichen Tage dauerten vom 15. bis 24. Juni 1973.
1978 sprang der Verein in die Bresche und übernahm das
diesjährige Gauschießen, nachdem sich kein anderer
Verein bereit gefunden hatte. Dank des Entgegenkommens
der Schreinerei Zech, die ihre neuerbaute Halle dem
Verein überließ. konnte am 7. Juli das 28. Gauschießen
eröffnet werden. 637 Schützen beteiligten sich an
dieser wohl gelungenen Veranstaltung.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20.
April 1979 sollte über den Einbau eines Schützenheimes
im Gasthaus Ritter beschlossen werden. Schützenmeister
Willi Raith hatte mit dem Hausherrn Hubert Ritter einen
entsprechenden Vertrag ausgehandelt und diesen den
Vereinsmitgliedern zur Beschlussfassung vorgelegt. Bei
der Abstimmung entschieden sich 27 Mitglieder für das
Schützenheim im Gasthaus. 21 Mitglieder stimmten dagegen.
In der Generalversammlung 1981 entschieden sich die
Mitglieder mit Mehrheit gegen den geplanten Neubau des
Schützenheims im künftigen Sportheim zugunsten eines
Einbaus einer Schießanlage im Gasthaus Ritter. Entgegen
der ursprünglichen Planung aus dem Jahre 1978 sah die
Neukonzeption eine fest im Westteil des Gebäudes
eingebaute doppelstöckige Schießanlage vor. Eigentümer
Hubert Ritter hatte sich auch in diesem Fall
bereiterklärt, die erforderlichen Räumlichkeiten zur
Verfügung zu stellen. Ein Pacht- und
Überlassungsvertrag regelt das Nutzungsrecht für die
kommenden 20 Jahre. Die Baukosten hatte der Verein zu
tragen. Am 12. September 1981 wurde mit dem Umbau
begonnen. Zahlreiche freiwillige Helfer beflügelte
wieder echter Gemeinschaftsgeist. In 1600 Arbeitsstunden
und nur zehnwöchiger Bauzeit, konnte die doppelstöckige
Schießanlage mit zwölf Ständen in vorbildlicher Weise
fertig gestellt werden. Die Materialkosten beliefen sich
auf rund 25 000 Mark. Die Gemeinde beteiligte sich mit
einem Zuschuss von 5 000 Mark.
Mit dem Klausenschießen wurde die musterhaft gelungene
Anlage offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
Im Jahre 1981 verlor der Schützenverein zwei verdiente
Mitglieder und große Förderer: Max Huber sen. und Alois
Kienle. Den beiden langjährigen Schützenmeistern,
Ehrenschützenmeistern und Ehrenmitgliedern war es
insbesondere zu verdanken, dass der Schießsport in
Wiedergeltingen nach den beiden Weltkriegen wieder ins
Leben gerufen wurde. Verantwortungsvolle Entscheidungen
wurden 1981 von der Vereinsvorstandschaft abverlangt.
Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10.
Oktober 1982 wünschten sich die Mitglieder aus Anlass
des 100jährigen Vereinsjubiläums eine einheitliche
Tracht. Es sollte eine schwäbische Tracht mit roter
Weste und grauem Janker sein. Gleichzeitig wurde
beschlossen, gemeinsam mit dem Sportverein — der die
neue Sportanlage seiner Bestimmung übergeben will —
eine Festwoche zu veranstalten.
Im Jahr 1983 gab das 100-jährige Bestehen des
Schützenvereins Anlass dazu, dieses Jubiläum gebührend
zu feiern. Im Zusammenhang mit diesen Feierlichkeiten
wurde das 32. Gauschießen ausgerichtet. Gleichzeitig
fand die Einweihung des neuen Sportplatzes statt.
Auch nach diesem Jubiläum war die engagierte
Vorstandschaft immer für Anregungen aufgeschlossen, um
das Vereinsleben attraktiver zu gestalten. So wurde im
Jahre 1987 erstmals das zwischenzeitlich schon
traditionelle Herbstfest veranstaltet. Während das
Herbstfest zunächst in einer Produktionshalle und einem
ehemaligen Stallgebäude mit großem Aufwand ausgerichtet,
wurde, sind die Schützen dann 1990 in Absprache mit dem
Musikerverein am Musikerheim umgezogen.
Weitere Attraktionen sind z.B. das seit 1992 Schießjahr
ins Leben gerufene "Fastenschießen", bei dem
nicht nur die geschossenen Ringe zählen, sondern auch
die zwischen den einzelnen Schießabenden erzielte
Gewichtsabnahme.
Keine Mühe und vor allem keine Kosten wurden gescheut,
um den Schützen ihre Schießergebnisse präzise
ausgewertet vorzulegen. Die Anschaffung einer EDV-Anlage
zu diesem Zweck führte zwar zu einem großen
finanziellen Aufwand, wurde aber von nahezu allen
Vereinsmitgliedern außerordentlich begrüßt.
1993 wurde das 110jährige Bestehen in Verbindung mit dem
Herbstfest gefeiert. Dies war so erfolgreich, dass der
Schützenverein 3000 DM für den Kindergartenbau spendete.
Ab dem Jahr 2000 wurde das Herbstfest ins Dorfzentrum, im
sogenannten "Ritterhof" ausgeführt. Von Jahr
zu Jahr gab es neue Attraktionen, die zahlreiche Besucher
aus Nah und Fern anlockten.
2006 feierten die Schützen am neuen Festplatz drei Tage
lang das traditionelle Herbstfest an der ehemaligen
„Stechmücke“. Am Freitag stand ein Rock Abend
für die Jugend, am Samstag Country Musik und am Sonntag
ein Familientag mit der Musikkapelle Wiedergeltingen und
dem Auftritt der Böllerschützengruppe des
Veteranenvereins auf dem Programm.
Zum Anlass des Gauschützenballs 2007 marschierten 58
Schützenkönige und „Regentinnen“ in den
festlich geschmückten Saal. Über 350 Gäste aus 32
Vereinen des Schützengaus vergnügten sich bis weit nach
Mitternacht. Der Gauball war damit ein gelungener
Probelauf für die Feier des 125-jährigen Bestehens des
Vereins im Jahre 2008.
2008 war es dann endlich soweit. Der Schützenverein
Wiedergeltingen konnte sein 125jähriges Bestehen feiern.
In diesem Zusammenhang wurde auch das Gauschießen
durchgeführt. Mitgeschossen haben 34 Vereine des Gaus.
Gleichzeitig wurde auch eine Wiedergeltinger
Gründungsscheibe ausgeschossen. Diese war nur für
Wiedergeltinger Bürger vorgesehen. Insgesamt haben 665
Schützen teilgenommen, dabei wurden 36310 Schuss
ausgewertet. Das Fest begann am 22.Mai mit der
Eröffnungsfeier und endete mit einem Festwochenende vom
13.bis 15. Juni.
Während der gesamten letzten Jahre wurden auch mehrere
“Spezialschießen", wie Strohschießen,
Forellenschießen, Rauchfleischschießen, Damenschießen
und Er+Sie Schießen oder auch diverse
Vergleichsschießen durchgeführt, die zur allgemeinen
Geselligkeit und Unterhaltung beitrugen.
Durch die gute Jugendarbeit können immer wieder Schüler und
Jugendliche für den Schießsport begeistert werden. In
den letzen Jahren ging wieder ein Jungschütze aus diesen
Reihen hervor, der es bis in den Bayrischen
Schützenverband geschafft hat.Hier ein Artikel von der Mindelheimer
Zeitung vom 20.12.2008
Im Jahr 2009 setzte
Sebastian Kugelmann seinen Siegeszug in der
Luftpistolenklasse Junioren A weiter fort. Im Januar
wurde er Gaumeister, im April Schwäbischer Meister,
Anfang Juli Bayrischer Meister und Ende Juli seinen
ersten Internationale Sieg. Bei den Arge Alp
Meisterschaften in Innsbruck erreichte er wiederum den 1.
Platz. Ab 2010 schießte Sebastian in der Mannschaft von
Großaitingen in der 1.Bundesliga mit.
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