Die Eisenbahn in Windischeschenbach
Zusammengestelt von Robert Meißner
Der
Bahnhof Windischeschenbach liegt heute an der Hauptstrecke Regensburg - Weiden
- Hof/Saale. Doch das war nicht immer so. Bei der Streckeneröffnung durch die
"Königl. Privil. Actiengesellschaft der Bayerischen Ostbahnen" im
Jahre 1864 war die Linienführung ab der Station Wiesau eine ganz andere: Statt
wie heute über Pechbrunn nach Marktredwitz ging die damalige Strecke von Wiesau
aus nach Mitterteich und Waldsassen ins böhmische Eger (das heutige Cheb in der
Tschechischen Republik). Erst von dort aus konnte man über Selb das
oberfränkische Hof erreichen, in dem Anschluß an das Sächsische Eisenbahnnetz
bestand.
So
lag Windischeschenbach zur Bahneröffnung an der Hauptstrecke Weiden-Eger.
Von Neuhaus aus fotografiert: Der Bahnhof Windischeschenbach am
Tag der Streckeneröffnung, den 15. August 1864.
Foto: Heimatmuseum Windischeschenbach
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Auch am Tag der Streckeneröffnung wurde die Naabbrücke bei der
Polier, die auch Rundschleif genannt wurde, fotografiert. Die Strecke ist
noch eingleisig, die Brücken bereits für ein Doppelgleis ausgelegt. Im
Hintergrund ist Neuhaus mit der Burg erkennbar. Das Bahnhäusl wurde um 1975
abgerissen, heute steht hier das Einfahrsignal von Reuth kommend (vergleiche
mit Bild am Seitenende mit der Touristik 218er, es wurde von der Gegenseite
aufgenommen).
Foto: Heimatmuseum Windischeschenbach
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Historische Aufnahme von der Eigenheimsiedlung aus mit der Burg
Neuhaus und der Waldnaab, der Porzellanfabrik, der nördlichen
Bahnhofsausfahrt auf dem Hochwall und ganz links die Stützelvilla.
Historische Postkarte von Roswitha Kaminsky
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Mit
dem Bau der Strecke wurde durch Konzession vom 3. Januar 1862 im gleichen Jahr
begonnen. Zu dieser Zeit bestand eine Strecke von Schwandorf über Weiden nach
Bayreuth. Man wollte nun eine neue Verbindungsbahn nach Böhmen um unter anderem
die dortigen Kohlevorräte für die Oberpfalz nutzbar machen zu können. Natürlich
gingen auch hier, wie bei jedem Bahnbau, endlose Diskussionen und Eingaben
voran. Um die endgültige Linienführung wurde hart gekämpft. Viele Orte bemühten
sich um einen Bahnanschluß, brachte er doch die Industrie und somit den
Aufschwung und Wohlstand mit. Man muß sich gedanklich in diese Zeit versetzen:
Geteerte Straßen, geschweige denn Autos oder Lastwagen kannte man noch nicht.
Die Bahn war neben der Binnenschiffahrt das einzige Verkehrsmittel, das schwere
Lasten über weite Strecken transportieren konnte.
Es
wurde unter anderem eine Linie von Weiden über Neustadt vorgeschlagen, die dann
im Tale des Baches Floß und im Schlattaintal gegen Plößberg oder Floß geführt
werden sollte um dann über Tirschenreuth, Mitterteich und Waldsassen die
böhmische Grenze zu erreichen.
Auch
tauchten immer wieder Vorschläge auf, die Strecken über Waidhaus und Tachau zu
führen, beispielsweise über Leuchtenberg und Vohenstrauß (worüber beim späteren
Bau der Lokalbahn nach Vohenstrauß wieder nachgedacht wurde).
Für
den großen Knotenpunkt waren Orte wie Luhe, Grafenwöhr, Weiden, Amberg oder
Erbendorf im Gespräch.
Man
errechnete schließlich die beste Auslastung bei einer Streckenführung längs der
Naab von Weiden über Neustadt (Waldnaab), Lamplmühle und Windischeschenbach
nach Reuth (bei Erbendorf) und Wiesau. Danach weiter über Mitterteich und
Waldsassen zur Landesgrenze , wenige Kilometer vor Eger. So würden genau diese
Orte berührt, für die die Eisenbahn neue Impulse bringen sollte.
Damit
war auch klar, daß Weiden das Eisenbahnzentrum der nördlichen Oberpfalz werden
würde.
Für
den Bau war kein anderer als der bekannte Ostbahn-Ingenieur Paul von Denis
verantwortlich. Gustav von Schlör aus Weiden, der spätere Staatsminister wurde
1862 zum Sektionschef der Bayerischen Ostbahnen ernannt und prägte ebenfalls
das Bild der Eisenbahn in unserer Region.
Während
die ersten 10 Strecken-Kilometer nördlich von Weiden einfach zu bauen waren,
gestaltete sich das Terrain vor und nach Windischeschenbach erheblich
schwieriger. Die Bahn folgte den Flußlauf der Wald- und Fichtelnaab, die sich
in etlichen Kurven durch das felsige Tal schlängelten. Wurde an einer Stelle
ein Einschnitt gesprengt, mußte hundert Meter weiter das Geröll gleich wieder
zum Auffüllen von Einschnitten verwendet werden oder es wurden Steine für den
Brückenbau gewonnen. Zwischen Neustadt (Waldnaab) und Reuth bei Erbendorf
wurden allein die beiden Flußläufe mit ihren Nebenarmen und Werkgräben auf 11
Brücken überquert.
Im Wiesentahl zwischen der Oberbaumühle und der Schweinemühle
wurde zwei steinerne Bogenbrücken über die Fichtelnaab errichtet.
Foto: Heimatmuseum Windischeschenbach
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Eine der vielen Brücken über die Waldnaab bei Windischeschenbach
mit den Maschinen 56 901 und 57 572.
Das Foto schoß kein geringerer als der berühmte
Eisenbahnfotograf Carl Bellingrodt am 2. Juli 1934
Foto: Heimatmuseum Windischeschenbach
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Windischeschenbach
zählte zur damaligen Zeit etwa 1000 Einwohner. Dazu kam plötzlich eine nicht
unerhebliche Zahl von Gastarbeitern, besonders Arbeiter aus Böhmen sowie
Italiener als Steinhauer. Bei den Kunstbauten wurde einheimischer Granit
verwendet. Das interessanteste Bauwerk dürfte dabei der Hochwall am nördlichen
Bahnhofskopf von Windischeschenbach sein. Der Granit hierfür wurde der
sogenannten "Rumpel" entnommen, der heutigen Neuhauser Straße. Bis
dahin stellte diese eine enge Felsenschlucht dar, in der der Stadtbach
"rumpelnd" der Waldnaab zufloß.
Beim
Bau der Brücken traf man eine weise Entscheidung: Die Brückenköpfe wurden
bereits für einen zweigleisigen Ausbau vorgesehen, was 1895/96, als das zweite
Gleis tatsächlich gelegt wurde, eine große Arbeits- und Kostenerleichterung
war.
Nördliche Bahnhofsausfahrt auf dem Hochwall mit einem InterRegio
Richtung Hof. Frühjahr 1999
Bild: Robert Meißner
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Der Hochwall von der anderen Seite. Personenzug P 850 von Hof
nach Regensburg mit der "Sachsenstolz" 19 001 (Bw Reichenbach) und
der Vierzylinder 02 002 (Bw Hof) am 02. Juli 1934
Heimatmuseum Windischeschenbach
Foto: Carl Bellingrodt
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Für
die Sprengarbeiten wurden zwei Pulvermagazine mit je etwa 15 bis 20 Zentner
Pulver in Lehen bei Reuth und der Oberbaumühle bei Windischeschenbach
eingerichtet. Wenn man heute in Windischeschenbach unterwegs ist, werden einem
die zahlreichen Felsenkeller an den Straßen und Wegen auffallen. Diese sind
eine Hinterlassenschaft der italienischen Steinhauer und werden heute noch z.
B. für die Aufbewahrung von Kartoffeln gerne genutzt.
Die
Streckeneröffnung:
Am
15. August 1864 wurde die Strecke Weiden - Mitterteich feierlich eröffnet. Der
Anschluß von Mitterteich nach Eger folgte erst ein Jahr später am 15. Oktober
1865.
Täglich
verkehrten auf der Strecke 3 Züge. Die Fahrt kostete in der ersten Klasse 36
Kreuzer, in der Zweiten 24 und in der Dritten 18 Kreuzer. Die Fahrzeit zwischen
Windischeschenbach und Weiden (15 km) dauerte damals beim schnellsten Zug 31
Minuten, beim langsamsten GmP (Güterzug mit Personenbeförderung) 40 Minuten.
Windischeschenbach
lag nun am "Puls der Zeit", die Strecke mauserte sich zur deutschen
Nord-Süd-Verbindung Berlin-München, und die Industrie kam in den Ort. Rund um
das Bahnhofsgelände mit der Ortsgüteranlage entstanden nach und nach drei
Fabriken, von denen zwei bis in die 1990er Jahre zu den bedeutenden
Arbeitgebern der Stadt gehörten: 1873 die Glasfabrik "Klarahütte",
die später u. A. als Annahütte, Hofbauer und Concorde firmierte. Ebenfalls 1873
wurde die Pappenfabrik am südlichen Bahnhofsende gebaut. Da wegen zu starkem
Gefälle kein Gleisanschluß ins Werk geführt werden konnte, behalf man sich mit
einem Feldbahn-Gleis von der Entladestation, unter der Eisenbahnbrücke hindurch
hinein ins Werkgelände. Schließlich wurde im Jahre 1913 auf dem Gelände
gegenüber des Bahnhofes eine Porzellanfabrik eröffnet, in der das bekannte
"Eschenbach Porzellan" gefertigt wurde.
Heute
gänzlich unbekannt ist, daß sich bei km 19,1, direkt am Windischeschenbacher
Ortsteil Schweinemühle (bekannt durch seinen Campingplatz), früher die
Blockstelle Pleisdorf samt einer Ladestelle mit Abstellgleis befand. Im Tal der
Fichtelnaab zwischen Schweinemühle und Windischeschenbach, dem sog.
"Wiesenthal" lag früher das Zweigwerk der Pappenfabrik. Ein direkter
Gleisanschluß war auch hier nicht möglich, da die Strecke hoch auf einem Damm
führte und zudem in einer engen Kurve lag. So wurde etwa einen Kilometer
oberhalb bei der Schweinemühle die Ladestation errichtet und mit einem
Feldbahngleis der Fabrikanschluß für Waren und Betriebsstoffe hergestellt.
An der ehemaligen Blockstelle Pleisdorf. Links neben der Lok war
das Abstellgleis.
Winter 1998/1999
Bild Robert Meißner
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1875
ging die Bayerische Ostbahn in der Bayerischen Staatsbahn auf. Man war
bestrebt, das Bahnnetz enger zu vermaschen, was auch die Streckenführung über
Eger betraf. Die Fahrt von Weiden über Eger nach Hof war ziemlich zeitraubend,
da es ein großer Umweg war. Außerdem führte die Strecke über nicht-bayerisches
Gebiet, was in politisch unruhigen Zeiten ein gewichtiger Faktor war, da die
Bahn ja auch zur militärischen Strategie zählte - mit keinen anderen
Verkehrsmittel konnte man damals in so kurzer Zeit Truppen und Material
transportieren.
Eine
Abkürzung war leicht zu finden. Nördlich von Wiesau lag der Markt Redwitz,
heute besser bekannt als Marktredwitz. Hier hatte man bereits Anschluß an der
Fichtelgebirgsstrecke (Nürnberg) - Schnabelwaid - Kirchenlaibach - Marktredwitz
(-Hof). Nichts lag näher, als die beiden Ort miteinander zu verbinden. Dabei
standen zwei Trassenvarianten zur Diskussion: Zum einen zwischen
Windischeschenbach und Reuth bei Naabdemenreuth von der bestehenden Linie
abzweigend im Tal der Fichtelnaab über Erbendorf und Riglasreuth die
Fichtelgebirgsstrecke in der Nähe von Neusorg zu erreichen, zum Anderen von
Wiesau aus über Grosschlattengrün direkt nach Marktredwitz zu bauen. Beide
Verbindungen waren in etwa gleich lang. Erstere Variante über Erbendorf wurde,
obwohl es dort bedeutende Bodenschätze gab, nicht realisiert, da, so ein
Randvermerk, für Erbendorf keine Petition eingeganben war. Offensichtlich hatte
Erbendorf hier eine einmalige Chance versäumt (1). So kam schließlich die
Verbindung über Grosschlattengrün zustande. Eröffnung dieser 17,8 km langen
Verbindungsbahn Wiesau - Marktredwitz war am 1. Juni 1882. Damit war die heute
bekannte "Naablinie" zwischen Hof und Regensburg entstanden. Die
Fahrzeit der durchgehenden Züge konnte so erheblich verkürzt werden. Da aber
die Strecke zunächst nur eingleisig war, suchten die Ingenieure in der Mitte
dieses lange-anhaltend steigenden Abschnittes nach einer Kreuzungsstation. Dort
lag ziemlich genau die Ortschaft Großschlattengrün. Das besondere hieran war,
daß während man anderswo um einen Bahnanschluß kämpfte, die dortigen
Gemeinderäte von einem Bahnhof überhaupt nichts wissen wollten. Es wurde
erwirkt, den Bahnhof in der Nachbargemeinde auf der nur 12 Landwirte zählenden
Gemarkung Pechbrunn abzuwälzen - trotzdem erhielt der Bahnhof den Namen
Großschlattengrün. Der Bahnhof wurde Mittelpunkt einer lebhaft wachsenden
Ortschaft, an der sich 1888 ein Basaltwerk ansiedelte, welches heute noch ein
eigenes Ladegleis unterhält (vgl. weiter unten Foto der 218 217).
Heute
ist Pechbrunn eine eigene Gemeindeverwaltung mit Schule und Kirche - während
sich in Großschlattengrün nicht allzuviel verändert hat. Es spricht für sich,
daß der Bahnhof zu Recht in Pechbrunn umbenannt wurde.
1900
sorgte "Pechbrunns verrückter Bahnhof Großschlattengrün" nochmals für
großes Aufsehen: Da die Bahnanlagen erweitert werden mußten, aber das Terrain
beidseitig von Bahnhofsgebäude und Schotterwerk "eingeschlossen" war,
errichtete man 10 Meter abseits ein neues Fundament, trennte den Bahnhof mit
allen möglichen Gerät vom alten Untergrund und verrückte das Gebäude über
Rollen und Seilwinden zentimeterweise zum neuen Standort, während drinnen der
normale Dienst weiterging. Sonderzüge brachten Schaulustige bis aus Hof, Eger
und Bayreuth heran.
Wiesau
entwickelte sich als Verzweigungsbahnhof zweier Hauptstrecken zu einem
bedeutenden Bahnknotenpunkt. Schon seit 1872 zweigte von hier die Vinizialbahn
nach Tirschenreuth ab, die 1903 bis nach Bärnau verlängert werden sollte.
Wie
bereits erwähnt, wurde um den stetig steigenden Verkehr gerecht zu werden, in
den Jahren 1895/96 bzw. 1900 die Strecke Weiden - Marktredwitz zweigleisig
ausgebaut.
Neben
den ehemaligen Ostbahn-Lkomotiven kamen nun auch Maschinen der Königlichen
Bayerischen Staatsbahn vermehrt auf die Strecke.
Der letzte Nobelzug auf der Strecke Wiesau-Eger
verkehrte 1914. Er verband, mit Speisewagen ausgestattet, München mit Karlsbad
und wurde gleich zu Beginn des 1. Weltkrieges wieder eingestellt. Mit der
Gründung der Tschechoslowakei 1918 bzw. 1919 wurde die Linie Wiesau-Eger eher
zu einer Regionalstrecke, über die nur noch einmal im Sommerfahrplan 1939 ein
Schnellzug Karlsbad-Wiesau dampfen sollte. (4)
1920:
Die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft DRG
Mit
Gesetz vom 24.4.1920 wurde beschlossen, die Länderbahnen Deutschlands, zu denen
auch die Bayerisch Staatsbahn zählte, zur Deutschen Reichsbahn Gesellschaft
zusammen zu schließen. Dabei wurden auch neue Lokomotiven und Wagen der
sogenannten "Einheitsbaureihen" entwickelt, um eine Norm ins deutsche
Eisenbahnwesen zu bringen. Mit dem Jahre 1925 wurden Lokomotiven und Wagons in
"Deutsche Reichsbahn" umbeschriftet. Die Ursprünglich grüne
Lackierung der bayerischen Lokomotiven wurde durch die heute allgemein bekannte
Schwarze mit roten Rädern ersetzt. Auch die ersten Wagen mit Druckluftbremse
fallen in diese Epoche.
Von
Anfang an waren in Hof die neuen Einheits-Schnellzugmaschinen der Baureihe 01
und 02 zuhause, die Strecke nach Regensburg zählte zu den ersten
Einsatzgebieten.
1938
wurde die mechanische Stellwerktechnik grundlegend erneuert. Diese ist noch bis
heute in Betrieb. Den Fotos zufolge blieben die engen Gleisverbindungen auf das
Ausweichgleis aber bis nach dem Krieg bestehen, ehe sie durch längere
Bogenweichen "entschärft" wurden. Interessanterweise ist noch zu
erwähnen, daß das Einfahrsignal der Reuther Seite dabei im Laufe der Zeit zwei
Mal nach Richtung Reuth versetzt wurde. Stand das erste Signal nach auf dem
Hochdamm, steht es heute auf Höhe der Polier.
Nach
wie vor war das Bahnbetriebswerk (Bw) Eger eine Besonderheit. Das von zum
größten Teil von Deutschen bewohnte Eger gehörte durch den verlorenen 1.
Weltkrieg nicht mehr zu Österreich sondern wurde 1918 bzw. 1919 Teil der neuen
Tschechoslowakei. Der Bahnbetrieb wurde in dem bisher
bayerisch-sächsisch-österreichischen Gemeinschaftsbahnhof nun von Deutschen und
Tschechen abgewickelt. Dazu standen zwei Bw's zur Verfügung. Die
Reichbahnlokomotiven hatten von dort aus die Strecken nach Adorf-Reichenbach im
Vogtland, Franzesbad-Hof, Schirnding-Marktredwitz und schließlich Wiesau-Weiden
zu bedienen. Besondere Aufmerksamkeit erlangten neben einen bunten
Maschinenpark die Mallet-Baureihe 96 (ex. bayer. Gt 2 x 4/4), die ab 1928 in
Eger stationiert wurde und hauptsäclich zum Nachschieben schwerer Züge auf den
Rampen der nach Norden führenden Strecken eingesetzt wurde. Als Zuglok
bespannten diese Maschinen auch Bedarfszüge, mit denen sie über Wiesau bis nach
Weiden kamen. Offenbar aus dem Bestreben heraus, die in Eger beheimateten
Lokomotiven auf deutschen Gebiet zu stationieren gabe es um 1937/38 ernsthafte
Pläne, ein Bw in Wiesau zu eröffnen. Der als Leiter der neuen Dienststelle
vorgesehene Beamte handelte allzu voreilig und ließ bereits Bw-Schilder
"Wiesau" anfertigen. Nachweislich war mindestens eine 96er damit
ausgestattet, sie wurde so in Asch gesehen. Es blieb bei den Plänen, zumal Eger
aber Herbst 1938 ohnehin für die folgenden sieben Jahre zum deutschen
Staatsgebiet gezählt wurde.
Bis
zum Ende des 2. Weltkrieges war die Strecke mehr als ausgelastet, sie war
teilweise überlastet. Meine Mutter, deren Stiefvater auf einem Stellwerk in
Windischeschenbach Dienst tat, kann sich noch gut an Güterzüge im
Zehn-Minuten-Takt erinnern. Über Eger und Wiesau wurde außerdem starker
Güterverkehr aus dem Ostgebieten in Richtung Süden geleitet, um die Magistrale
Hof-Regensburg zumindest im nördlichen Abschnitt zu entlasten.
Gegen
Ende des Krieges wurde die Naabbrücke auf der Polier (siehe Bilder am
Seitenanfang) von feindlichen Tieffliegern angegriffen. Das Ziel wurde
verfehlt, statt dessen wurden zwei direkt daneben stehende Gebäude zerstört,
deren Ruinen heute noch stehen. Nachdem am 19. März 1945 die "Schaffung
einer Verkehrswüste im preisgegebenen Gebiet" befohlen wurde, sprengte
deutsches Militär einige Brücken über die Naab. Am 21. April 1945 wurde Windischeschenbach
von den Amerikanern eingenommen.
Es dauerte einige Jahre, bis die Strecke wieder
zweigleisig voll befahrbar war. Bis dahin behalf man sich eingleisig auf
Notbrücken, was den Verkehr natürlich stark behinderte.
1945:
Neuanfang, 1949: Die Deutsche Bundesbahn
Nach
1945 ging der Verkehr stetig zurück. Im Jahre 1949 wurde aus den Bahnen in den
westlichen Besatzungszonen die Deutsche Bundesbahn gegründet. Zwar war die
Strecke durch den Wiederaufbau und dem Reisebedürfnis der Menschen nach wie vor
stark ausgelastet, doch durch die Teilung Deutschlands verlor die Magistrale
Berlin-München ihre hohe Bedeutung. Die Strecke von Wiesau nach Eger wurde
durch den Eisernen Vorhang getrennt, jedoch der verbliebene Restverkehr auf dem
Abschnitt Wiesau - Waldsassen von der DB nebenbahnmäßig aufrecht erhalten.
Wahrscheinlich aus politischem Interesse behielt dieser Abschnitt bis zum 26.
September 1977 seinen Hauptstreckestatus, in Mitterteich wurden sogar
Lichtsignale installiert. Der Personenverkehr wurde bis zum 1. Juni 1986 noch
mit VT 98 abgewickelt. Heute ist die Strecke ab Wiesau rückgebaut.
Wolfgang Patschke schickte uns dieses Foto von
A. B. Gottwald aus dem Bundesbahnalbum, Motorbuchverlag Stuttgart 1980. Es
zeigt den nördlichen Bahnhofskopf von Windischeschenbach mit einer ausfahrenden
S 3/6. Weitere Recherchen laufen derzeit. Es wird angenommen, daß es sich um
den D 121 im Winter 1952/53 (+/- 1 Jahr) handelt. Herzlichen Dank für die
Mitarbeit!
Für
Rangierarbeiten im Bahnhof Windischeschenbach war lange Zeit das "Haderer
Bockerl" ein Begriff. Familie Weiler konnte hierzu einige interessante
Informationen zur Verfügung stellen, herzlichen Dank dazu an dieser Stelle:
Das
Haderer-Bockerl war eine kleine dieselgetriebene Rangierlok vom Typ Köf 1.
So
klein diese Maschine auch war hat sie doch tüchtige Dienste geleistet. Man
denke nur an die Rampe zur Porzellanfabrik, aus der sie die schwer beladenen
Wagen holen musste.
Herr
Haderer, nach dem die Maschine benannt war, war bei den Kindern ein sehr hoch
respektierter (wegen seines tollen Arbeitsgebietes), aber auch gefürchteter
Mann (wegen seiner mürrischen Art). Es sah einfach souverän aus, wenn er so hin
und her rangierte, den Motor laufen ließ, ausstieg und Wagen ankuppelte. Die
Kinder haben ihn sehr beneidet.
Mit
dieser Köf1 wurden auch Fahrten durchgeführt wurden, die eigentlich nicht so
ganz in den Aufgabenbereich dieser kleinen Lok gehörten, respektive gar nicht
hätten gemacht werden dürfen. Man ist damit klammheimlich - natürlich nur in
besonders dringenden Fällen - sogar bis in benachbarte Bahnhöfe gefahren und
hat dort Güterwaggons mit eiliger Fracht abgeholt. Das waren eben noch Zeiten,
in denen die viel gescholtene Bahn sich noch ihrer infrastrukturellen und
deshalb industrie- und verkehrspolitisch wichtigen Aufgaben bewusst war.
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Der Eiserne Vorhang über der Strecke Waldsassen - Eger. Im Hintergrund ist ein "Schmetterling", ein typisches bayerisches Vorsignal, erkennbar. Es gehörte zum Einfahrsignal von Schoppenhof und konnte später "unter der Regie von Eisenbahnfreunden in den Westen gerettet" werden. Leider ist mir der heutige Verbleib dieses Signals unbekannt. |
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Als ich 2002 die Stelle, an der obiges Foto entstand, aufsuchte konnte man so gut wie keine Gemeinsamkeiten der Fotos mehr feststellen. Wer genau hinsieht erkennt inmitten der Birken noch ein paar Meter Gleis und rechts einen weißen Grenzpfosten. |
Zum
Ende der Dampflokzeit waren auf der Strecke vor allem Einheitsloks der
Baureihen 01 und 86 (Bw Hof) sowie 44, 50 und 64 (Bw Weiden) im Einsatz. Von
Hof, Weiden und Regensburg kamen die neuen Diesellokomotiven wie z. B. V 200, V
100, V60 und später natürlich die BR 215, 216, 217 und 218. Nicht zu vergessen
die Schienenbusse wie VT 95 und VT 98.
Besonders
möchte ich auf die Baureihe 01 hinweisen. Der Einsatz dieser bekannten Baureihe
ging in Hof zu Ende. Als 1973 der 01-Einsatz auf der unter Eisenbahnern
legendären Schiefen Ebene (Strecke Hof-Lichtenfels) schon zu Ende war, hielt
man in Hof für älteres Personal, das nicht mehr auf Diesel umgeschult wurde auf
der Regensburger Linie noch vier Maschinen vor, darunter die 01 008 und 01 150.
Somit
fuhren die letzten 01er in Deutschland auch durch Windischeschenbach.
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In der Nähe der Schweinemühle schoß mein Vater
Albrecht Meißner dieses Foto der ältesten DB-01er: die 01 008 vom Bw Hof.
Etwa 1972 |
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Aus der gleichen Zeit stammt auch dieses Foto:
Auf Höhe der Polier zieht eine Dampflok der Baureihe 50 mit Kabinentender
einen Güterzug in Richtung Marktredwitz. Heimatmuseum Windischeschenbach |

Diese beiden Fotos wurden von einem fahrenden D-Zug
Regensburg - Hof aufgenommen. An der Zugspitze sind zwei Altbau-01 zu sehen.
Das linke Foto ist mit ziemlicher Sicherheit in der großen Kurve direkt
unterhalb des Haltepunktes Lamplmühle entstanden, das rechte Bild könnte
unterhalb der Schweinemühle entstanden sein, wo die Strecke aus dem engen
Fichtelnaabtal heraustritt und auf dem Bahndamm gleich die Stelle erreicht, wo
das Foto mit der 01 008 entstanden ist. Aufnahmen von Hans Plank, dem Vater des
MEF-Mitglieds Helmut Plank, der als Lokführer auf den Nebenbahnen unserer
Region unterwegs war. Zeitpunkt der Aufnahme vermutlich zwischen 1968 und 1973,
da an den Wagons Epoche 4- Beschriftung zu erahnen ist.
Nach der Dampfzeit
Die
Stellwerkstechnik von 1938 verrichtet auch heute noch in Windischeschenbach
ihren Dienst. Auf der Reuther Seite wurde das Wärterstellwerk, auf der
Neustädter Seite das Befehlsstellwerk errichtet. Als erste
Rationalisierungsmaßnahmen blieb seit den 1980er Jahren am Wochenende das
Wärterstellwerk unbesetzt, das Einfahr- und Ausfahrsignal im Norden zeigt
ständig Fahrt, geblockt wird vom Befehlsstellwerk aus.
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Das Befehlsstellwerk im Süden des Bahnhofs. Im Vordergrund war früher die Entladestation für die Pappenfabrik am Windischeschenbacher Bahnhof. Direkt hinter dem Stellwerk lag die Pappenfabrik. |
Die Nordausfahrt Richtung Hof mit dem
Steinwall. Signale E und F. Das linke Signal am Hauptgleis steht fast immer auf Fahrt, da das obere Stellwerk nur einmal im Monat besetzt wird. |
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Bilder Robert Meißner |
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Zwischen
der Schweinemühle und Neustadt ist die Streckenhöchstgeschwindigkeit wegen der
zahlreichen engen Kurven auf 80 km/h begrenzt.
Bis
zuletzt wurde der Güterverkehr mittels der in Reuth b. Erbendorf stationierten
KÖF III abgewickelt. Hin und wieder sah man in den 80er Jahren auch noch eine
KÖF II. Ein Lokführer namens Riedl ist mir noch in guter Erinnerung. Ein
Kuriosum war der Fabrikanschluß der Glasfabrik. Das Gleis machte auf dem
Werksgelände einen 90 Grad Bogen, der mit einem Radius von nur etwa 70 bis 80
Metern viel zu eng war. Der Wagen wurde deshalb mit der Lok über eine etwa 1
Meter lange Kupplungsstange auf Abstand gehalten, damit sich die Puffer nicht
verkeilen konnten. Außerdem waren Spezialschienen im Einsatz: Der Schienenkopf
war überbreit und mit Rillen versehen. In der Kurve liefen die Fahrzeuge nicht
wie gewohnt mit dem Rad auf dem Schienenkopf, sondern mit dem Radreifen in den
Rillen. Dabei gaben die Fahrzeuge einen ungeheuer kreischenden Lärm von sich.
Ab 1993: Die DB AG
Nach
der Wende 1989 kamen auf der Strecke auch Maschinen der ehemaligen
DDR-Reichsbahn zum Einsatz. Dieses betraf vor allem Maschinen der BR 232 (ex.
132) und 234 (ex. 134) deren Umläufe vor dem immer rarer werdenden Interregios
von Hof bis Regensburg verlängert wurden, aber auch besonders vor Güterzügen
immer häufiger anzutreffen waren.
Anfang
der 1990er Jahre wurde die Pappenfabrik abgerissen, nachdem schon seit Jahren
der Betrieb eingestellt war.
Nachdem
der Transport von Gütern leider auch wegen DB AG auf die Straße verlagert
werden mußte, verschwanden in den letzten Jahren die Gütergleise in
Windischeschenbach fast vollständig. Neben den beiden Durchgangsgleisen und
einem Ausweichgleis sind die restlichen Stumpfgleise durch Schwellenkreuz oder
Prellböcke direkt hinter der Weiche gesperrt worden. Der Bahnhof wurde
geschlossen. Auch das Wärterstellwerk ist nun gänzlich unbesetzt, Einfahr- und
Ausfahrsignal im nördlichen Bahnhofskopf zeigen Dauer-Fahrt. Hintergrund, warum
Windischeschenbach noch im Besitz seinen Ausweichgleises ist, dürfte in der
Anwesenheit der zahlreichen Brücken liegen. Wenn hier Arbeiten nötig werden,
muß auf das Nachbargleis ausgewichen werden können. So ist zwischen
Windischeschenbach und Neustadt/Waldnaab auch signalisierter Falschfahrbetrieb
eingerichtet. Die Einfahrsignale sind hierbei zwei Gleissperrsignale in sog.
Zwergformat. Der Bahnhof Windischeschenbach ist neben der Zugstiegsmöglichkeit
heute eigentlich nur mehr eine Blockstelle.
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Von der einstigen Betriebsamkeit ist nichts
mehr geblieben. Blick von der Nordeinfahrt auf die ehemalige Ortsgüteranlage. Bild Robert Meißner |
Karfreitag 1999. Der Bayerntakt von Hof
kommend... Fotos Robert Meißner |
...und eine viertel Stunde später der Gegenzug von Regensburg. Beide Fotos an der ehem. Entladestation Schweinemühle |
1996
wurde der Bayerntakt aufgenommen. Zuvor waren vor allem Triebwagen der
Baureihen 614 und 628 im Einsatz. Werktags bestand stündlich, am Wochenende
zweistündig Anschluß. Die Züge waren mit 218ern des Bw Regensburg bespannt, die
in Hof wendeten.
Das zuständige Bw Regensburg mußte zum 30. September
2001 zwanzig Maschinen der BR 218, darunter auch die Museumsmaschine 218 217
mit der besonderen TEE-Lackierung, abgeben.
Insgesamt
kann man bis heute der DB AG nur mäßiges Interesse am Bahnverkehr für die
Bevölkerung in der Oberpfalz bescheinigen. Manchmal ist man den Eindruck nahe,
als möchte die Bahn ihre Kunden absichtlich vergraulen. Als ein paar solche
"Böcke" kann man den Nürnberger Anschlußzug in Weiden nennen, der dem
Zug aus Hof 2 Minuten vor der Ankunft davon fuhr, nachdem noch die Bundesbahn
die Fahrgastzahlen durch den Einsatz des Pendolinos um ca. 40 % Steigern
konnte, Die Abkopplung des Erbendofer Gewerbegebietes mit bis zuletzt gutem
Güterverkehr, die Schließung des Güterbahnhofs in Pressath, ohne es den
bahnverladenden Kunden mit zu teilen, Zugausfälle infolge fehldenen Personals
usw. usw. Sachen, die man sich als Oberpfälzer zur Bundesbahnzeit einfach nicht
vorstellen konnte.
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Ein bunter Farbtupfer waren die Touristik-Loks
218 416 und 418 , die häufig vor dem Bayerntakt zu sehen waren. Einfahrsignal
Windischeschenbach (von Reuth kommend - vgl. mit Bild der Streckeneröffnung
am Seitenanfang) Foto Robert Meißner |
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01 509, eine Reko-Lokomotive der ehemaligen DR
mit einem langen Sonderzug von Passau über Marktredwitz/Schirnding/Eger nach
Marienbad in der Tschechischen Republik, Oktober 1999. Links das
Windischeschenbacher Vorsignal, neuerdings mit Solarzellen. Foto Robert Meißner |
Ob er auf dieser Strecke jemals planmäßig
verkehren wird? Der Diesel-ICE mit Neigetechnik, genannt "ICT" auf
Probefahrt kurz vor Ostern 2000. Aufnahme im Bahnhof Reuth bei Erbendorf, aus
Windischeschenbach kommend. Foto Robert Meißner |
Die 218 001 ist auch schon Geschichte. Als
erste Lok dieser Baureihe mußte sie einige Umbauten über sich ergehen lassen.
Mann beachte die Dachaufbauten, die anderen Lüftungsschlitze an der Seite,
aber auch eine etwas andere Frontpartie. Foto Robert Meißner |
Die 218 217 trug als einzige Lok dieser
Baureihe die TEE-Lackierung und zählte trotz planmäßigen Einsatz zum
Museumsbestand der DB AG. Hier bei Rangierarbeiten im Bahnhof Pechbrunn
(Basaltwerk). Man beachte das alte DB-Logo. Foto: Thomas Sulzer |
Vom Mai bis September 2000 wurde die Hofer 211 023,
stilgerecht als Epoche 3 beschriftet (V100 1023) und lackiert vor planmäßig
verkehrenden Bayerntakt-Zügen eingesetzt. Das Foto ist auch für die
Zugzusammenstellung auf der Modellbahn interessant: Die Lok trägt Epoche 3
Beschriftung, während die Silberlinge (die auch aus dieser Zeit stammen)
bereits Epoche 5 Beschriftung a la DB AG tragen.
2001: Die Vogtlandbahn
Zur Homepage der
Vogtlandbahn GmbH
Grundlegendes änderte sich zum Sommerfahrplan 2001,
der am 10.06.2001 in Kraft trat. Erstmals seit Ende der Bayerischen Ostbahn
1875 verkehrt wieder ein privates Unternehmen auf der Strecke. Der Bayerntakt
von Regensburg her endet in Weiden. Außerdem ist die Oberpfalz nun mit der
Einstellung der Interregio-Linie 25 vom Fernverkehr abgekoppelt. 4
Regionalexpress-Pärchen in Form der Bayerntakt-Garnitur (Silberlinge mit BR
218) sollen Ersatz bieten. Die Vogtlandbahn verkehrt nun auf dem
Streckenabschnitt zwischen Hof und Weiden im Bayerntakt werktags stündlich, am
Samstag, Sonn- und Feiertagen im 2-Stundentakt.
Man präsentiert sich im krassen Gegensatz zur DB AG
mit modernsten Fahrzeugen vom Typ Desiro (Siemens). Auch die Resonanz aus der
Bevölkerung, die in der Tageszeitung zu lesen war (Überschrift: "Nach
Norden hui, nach Süden pfui"), ist durchweg positiv. Die Preise sind denen
der DB AG identisch, auch Bayern- und Schönes Wochenende-Ticket gelten.
Zusätzlich lockt die Vogtlandbahn mit dem EgroNet-Ticket: Damit kann ein
Erwachsener für 20 Mark und eine Familie mit allen Kindern für 45 Mark
sämtliche Strecken der Vogtlandbahn für einen Tag benutzen. Außerdem gibt es in
den neuen Zügen keinen Schaffner mehr, die Kontrollen erfolgen nur noch
stichprobenartig. Zum Fahrplanwechsel im Oktober 2002 verkehrt die Vogtlandbahn
über Weiden hinaus bis Schwandorf und Regensburg.
Das Kapiltel Interregio gehört seit der
Fahrplanumstellung am 10. Juni 2001 trotz massiven Protestes der Vergangenheit
an. Nach dem Wegfall übernahmen den Fernverkehr vier Regionalexpress-Pärchen
mit 218er mit vier bis sechs Silberlingen in alter und neuerer Farbgebung bespannt.
Seit Winter 2001/2002 mischt auch der alte Neigetechnik-Pendolino der BR 610,
allerdings mit deaktivierter Neigetechnik, im Betrieb mit; es fahren 2 oder
3-teilige Garnituren. Ist der Zug 218-bespannt, so kommt es seit Sommer 2002 zu
sog. Sandwichzügen, was bedeutet, daß an beiden Zugenden je eine BR 218 läuft
und so in Hof die Lok nicht mehr umgesetzt werden muß.
Für die Zukunft soll die Strecke für Neigetechnik
ausgebaut werden. Wann dieses Vorhaben allerdings realisiert werden kann (es
war für 2003/2004 geplant) ist nach den Hochwasserschäden im Osten allerdings
fraglich. Sicherlich werden dabei dann die letzten Nebengleise und Weichen
außerhalb der größeren Stationen gänzlich verschwinden.
Quellennachweis:
(1)
Eisenbahnen in Niederbayern und der Oberpfalz von Walther Zeitler (ISBN
3-924350-61-2)
(2)
Bilder aus Eisenbahn in der Oberpfalz von Siegfried Bufe (ISBN 3-922138-48-9)
(3) Die BR 96 Malletriese für den Schiebedienst von Steffen Lüdecke
(ISBN 3-88255-831-8)
(4)125 Jahre Eisenbahn im Stiftland; Stiftlandmuseum zur
Sonderausstellung 1989
"Nebenbahnen in der Oberpfalz" von Gerald Hoch und Andreas
Kuhfahl (ISBN 3-9805967-7-X)
Die
restlichen Informationen und Fotos stammen, soweit nicht anders angegeben, aus
dem Heimatmuseum Windischeschenbach, dem Heimatbuch der Stadt
Windischeschenbach von Georg Hauser, sowie privaten Sammlungen von Mitgliedern
der Modelleisenbahnfreunde Windischeschenbach und Umgebung e. V.