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Aalkönig wurde gekürt am 20.10.2006
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Gute Stimmung herrschte beim neuen Aalkönig
Friedrich Merz (links) und Aale Dieter.
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Bad Honnef - (jm/ic) Auch in diesem Jahr reißt die
Erfolgsstory des Bad Honnefer Aalkönigs nicht ab. Nach
Wolfgang Clement, Prof. Lothar Späth und Konrad Beikircher
übernimmt nun Friedrich Merz zwölf Monate lang die
Regentschaft über das Reich des Aalkönigs.
Am vergangenen Wochenende nun wurde seine Majestät
Friedrich I. in einer stimmungsvollen Zeremonie zum Aalkönig
gekürt. Doch bevor der vierte Bad Honnefer Aalkönig zur
späteren Stunde seine Inthronisationsrede hielt hatte so manch
ein politischer Weggefährte des Sauerländers sein Fett
wegbekommen.
So unter anderem von Majestät Wolfgang I. (Clement), der in
Vertretung seiner Eminenz Konrad I. (Beikircher), der zur Zeit von
Berufs wegen im tiefsten Osten der Republik weilt, die Laudatio auf
den neuen Würdenträger hielt.
Bestens aufgelegt bläst der ehemalige Superminister des
Kabinetts Schröder gleich zur Attacke und der Saal im
ehrwürdigen Bad Honnefer Kurhaus tobt. "Münte", der rote
Franz ist Ziel seines beißenden Spotts. So erfährt das
bestens aufgelegte Publikum, dass Erzrivale Franz heute jeden als
unsportlich bezeichne, der ihn auf seine Wahlversprechen hin
anspreche. Eine Aussage, die allen im Publukum klarmacht, dass
diese beiden Politiker sich nicht mehr viel zu sagen haben.
Da sieht er er schon eher eine gemeinsame Basis mit dem neuen
Aalkönig Friedrich Merz, der unabhängig vom Parteibuch an
diesem Abend die Gäste mit "liebe Genossen, liebe Genossinnen"
begrüßt, was die Gäste mit viel Beifall begleiten.
Danach meldet sich, via Live-Schaltung aus Leipzig Konrad I.
(Beikircher). Er huldigt noch einmal seinen Bad Honnefer Untertanen
und bedauert, dass seine Regentschaft nun vorbei sei und gibt ihnen
dann noch eine Losung für die Zukunft mit auf den Weg "Honnef
- in Ruhe nach vorn". Ob das der ruhelose Aalkönig Friedrich
I. so durchhalten wird, sei dahingestellt. Er beginnt seine Rede
sogleich mit einer beeindruckenden Erklärung für das Wort
"Aal". "Aal" stehe, so der neue Würdenträger für die
Weisheit "andere arbeiten lassen". Kein Wunder, sind doch die
Hauptakteure des Abends eine große Koalition von politischen
Bauernopfern der jüngeren Geschichte. Und so ist es nur
konsequent, dass der neue Aalkönig abschließend
erklärt, das Amt des Aalkönigs sei das einzige Amt, dass
er jetzt noch annehme.
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Der
berichtet
aus Bad Honnef
Clement von der Leine
© Volker Hartmann/DDP
Die Zeit der Rücksichtnahme ist vorbei: Ex-Minister
Wolfgang Clement erlaubt es sich nun, auch genüßlich
über Genossen herzuziehen
Von Florian Güßgen
Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nimmt keine
Rücksicht mehr. Nicht auf die Koalition. Nicht auf die SPD. In
Berlin gelte das "gebrochene Versprechen", ätzte er nun, zog
über Franz Müntefering her - und machte Merkel-Erzfeind
Friedrich Merz eine Liebeserklärung.
Es ist halb elf, als
Wolfgang Clement die Bühne betritt. Der Saal des Kurhauses
in Bad Honnef ist rappelvoll. 400 Gäste sind es, vielleicht
sogar ein paar mehr. Die rheinische Aalterrine ist gegessen,
die "Aegidienberger Ochsenbrust" auch. Die "Mainzer Hofsänger"
haben ihre Lieder geschmettert, der Wein fließt. Jetzt soll
sie beginnen, die richtige Show: Zum vierten Mal wird an
diesem Abend, rechts des Rheins, im gediegenen Bonner Vorort,
der Klamauk-Titel des "Aalkönigs" verliehen. Das "Aalvolk",
wie sie die Gäste hier natürlich nennen, lechzt nach den Stars
des Abends. Nach
Wolfgang Clement, dem allerersten "König", und nach
Friedrich Merz, dessen Krönung kurz bevor steht. Erst soll
Clement Merz "huldigen", dann soll der Neue selbst sprechen.
Die Stimmung ist gespannt. Schließlich treten hier zwei
politische Provokateure auf, die im Prinzip nichts mehr zu
verlieren haben, 85 Euro hat das "Aalvolk" gezahlt. Pro
Gedeck, Getränke inklusive. Nun hofft es auf launige Reden,
auf bissige Angriffe. Auf Berlin. Auf die große Koalition. Auf
die Kanzlerin.
"Wäre da nicht der Müntefering"
Clement, der Ex-Minister, ist jeden Cent wert. Kaum am Mikro,
zieht er vom Leder. Ansatzlos direkt spottet er über den
Genossen
Franz Müntefering, Arbeitsminister. Zuerst mokiert er sich
über Müntes Physis, dann über Müntes Politik - und zuletzt
über Müntes Bedeutung für die Partei. Der Merz, der
Sauerländer, sei ja sehr lang, ätzt Clement. Zwei Meter und
vier Zentimeter. Und er selbst sei ja auch sehr groß. Deshalb
könne man meinen, hier handele es sich um sauerländisches
Gardemaß - wäre da nicht der Müntefering. "Dem Friedrich sein
Problem, wie man in Westfalen sagt, ist ehrlich gesagt auch
meins: Auch der Müntefering kommt aus dem Sauerland", wirft
Clement dem johlenden Publikum entgegen.
"Ich kenne keine Unterschicht! Ich kenne nur
Sozialdemokraten!"
Dann zieht er den Arbeitsminister weiter durch die Grütze.
Müntefering? "Das ist der, der es unfair findet, wenn man ihn
an seine Wahlkampfreden erinnert", lästert er - und spielt auf
eine Pressekonferenz von Müntefering und Merkel vor wenigen
Wochen in Berlin an. Da hatte der Vizekanzler gesagt, man
dürfe die große Koalition nicht an den Wahlkampfversprechen
der Parteien im Wahlkampf 2005 messen. Das sei unfair. Clement
sieht das offenbar anders. Auch Münteferings demonstrative
Weigerung, in der aufbrandenden Unterschichtendebatte das Wort
"Unterschicht" zu verwenden, spießt Clement auf. Müntefering?
Das sei der, ätzt Clement, der gesagt habe: "Ich kenne keine
Unterschicht!" - "Ich kenne nur Sozialdemokraten!", der zweite
Satz stammt von Clement.
Der Eindruck offener Rechnungen
Auf der Bühne steht einer, dem es unverhohlene Freude
bereitet, kein Rücksicht mehr nehmen zu müssen. Nicht auf das
Amt. Und vor allem nicht auf die Partei. Clement, der nunmehr
66-Jährige, war in der Politik fast alles. Ministerpräsident
in Düsseldorf, Minister für Wirtschaft und Arbeit. Jetzt ist
er - fast - nichts mehr. Das tut ihm einerseits gut. Er sieht
blendend aus. Locker. Entspannt. Die Furchen in seinem Gesicht
sind nicht mehr so tief wie noch im vergangenen Jahr.
Andererseits lässt sich auch der Eindruck nicht wegschieben,
dass hier einer auf der Bühne steht, der noch Rechnungen offen
hat, der sich missverstanden fühlte, auch missachtet. Wegen
seiner angeblichen Nähe zur Wirtschaft. Vor allem von der
eigenen Partei und vor allem von Müntefering, dem demonstrativ
einsilbigen Parteisoldaten, dem Sauerländer.
"Das Motto ist klar: Es gilt das gebrochene Versprechen"
Auch an der großen Koalition lässt Clement kein gutes Haar.
"Der Münte, die Angie, der Stoiber, die haben sich
zusammengetan, um jetzt eine richtig große Koalition zu
machen", lästert er. "Und mit der Gesundheitsreform ist denen
ja auch ein großes Ding gelungen. Das Motto ist auch klar: Es
gilt das gebrochene Versprechen. Ich kann ihnen", ruft er ins
Publikum, "nur noch einen guten Rat geben: Werden sie krank,
bevor die Frau mit den Fonds kommt!" Union und SPD, mokiert er
sich, würden mit diesem Kurs Gefahr laufen auf einen
Wahlanteil von 18 Prozent zu fallen. "Aber lassen wir Angie
und Franz, Kurt und Edmund, und wie sie alle heißen. Von denen
kann man nur den Eindruck haben, dass sie, natürlich jeder in
seiner eigenen Partei, nur noch ein Ziel haben: Nämlich das
'Projekt 18' zu vollenden. Zur Erinnerung: Das ist das
Projekt, das Westerwelle verfolgt hat, allerdings von der
anderen Seite."
Clement wünschte sich Merz als Nachfolger
Viel milder als die eigenen Genossen behandelt Clement an
diesem Abend da schon Merkel-Erzfeind
Friedrich Merz, den Anwalt und CDU-Abgeordneten. Nicht nur
als Aalkönig sei Merz ein würdiger Nachfolger. "Ich will nicht
verheimlichen", verrät Clement, "dass ich Friedrich Merz
eigentlich als meinen Nachfolger im Amt des Bundesministers
für Wirtschaft und Arbeit gesehen habe. Das meine ich ernst.
Ich habe immer viel von Leuten gehalten, die sagen, was sie
für richtig halten und von denen man auch noch sagen kann,
dass sie das dann auch noch tun." Er habe Merz schon Monate
vor der Neuwahl im September 2005 durch das Ministerium
geführt. Auch dies ist eine Doppel-Provokation: Gegenüber
Franz Müntefering, dem Nachfolger im Arbeitsministerium,
und gegenüber CSU-Mann Michael Glos, dem Nachfolger im
Wirtschaftsministerium. Das Publikum johlt.
"Angela Merkel wird Kurt Beck schlagen"
Um kurz vor Mitternacht ist der so gepriesen
Friedrich Merz selbst dran. Soeben haben sie ihn zum
"Aalkönig" gekrönt, mit einer Urkunde und einem riesigen Glas
Bier steht er vor dem Bühnenbild, das den nahen Drachenfels
zeigt. Jetzt ist Merz am Zug, der zweite Außenseiter an diesem
Abend, der zweite Quertreiber, der ausgewiesene
Merkel-Erzfeind. Aber Merz, der Abgeordnete aus Brilon im
Sauerland, ist vorsichtiger als sein Vorredner. Er will nicht
provozieren, Konflikte nicht verschärfen. Nicht jetzt. Nicht
an diesem Abend. Der Rede fehlt die Bissigkeit, die er noch im
Februar erkennen ließ, als sie ihm in Aachen den "Orden wider
den tierischen Ernst" verliehen. Zwar wurde ihm später
nachgewiesen, dass er Teile seiner Rede geklaut hatte, aber
egal: Er hatte vor Angriffslust nur so gesprüht. Jetzt dagegen
lobt er Arbeit der "großen Koalition", mokiert sich ein wenig
über die Opposition, wagt nur hin und wieder einen Schlenker
zu jener Merkel, die ihn 2002 so rüde aus dem Amt des
Unions-Fraktionschefs gekippt hatte. Aber selbst hier bleibt
Merz auf Linie. Er sei sich sicher, dass
Angela Merkel die Bundestagswahl 2009 gegen
SPD-Herausforderer Kurt Beck gewinnen werde, versichert er den
Bad Honnefern. "Ein Mann mit Bart wird in Deutschland kein
Kanzler."
Hinterbänkler und Darling der Unternehmen
Nein, Merz ist in Bad Honnef nicht auf Krawall gebürstet.
Vielleicht will er auch seine Fraktionskollegen in Berlin
derzeit nicht unnötig provozieren. In den eigenen Reihen hat
es ihn Sympathien gekostet, dass er derzeit vor allem als
erfolgreicher und viel beschäftigter Anwalt auftritt, als
Darling der Unternehmen. In Berlin ist Merz zwar nur noch
Hinterbänkler, aber immerhin: Kritiker werfen ihm vor, sein
Abgeordnetenmandat zu vernachlässigen, andere schimpfen, er
vermenge Interessen. Merz hat das in den vergangenen Monaten
nicht angefochten. Im Gegenteil. Er gehört zu jener Gruppe von
neun Abgeordneten aus fast allen Fraktionen, die vor dem
Bundesverfassungsgericht geklagt haben. Sie wehren sich
dagegen, die Höhe ihrer Nebeneinkünfte angeben zu müssen. Er
wolle keine ABBA-Abgeordneten, polemisiert er an diesem Abend,
wenn ABBA für "Abitur, Bafög, Bundestag und Altersbezüge"
stehe. Aber das war's dann auch schon mit der kritischen
Leidenschaft. So wie Clement schlägt Merz an diesem Abend
nicht zu.
Röttgen geht früh
Einer, der in der Fraktion eigentlich für Merz zuständig ist,
hat sich die Rede des neuen Aalkönigs an diesem Abend dennoch
gespart: Als Merz ans Podium tritt, ist Norbert Röttgen schon
lange weg. Als CDU-Abgeordneter des hiesigen
Rhein-Sieg-Kreises hat er seine Schuldigkeit schon zuvor
getan: der Zeremonienmeister hat ihn begrüßt, die Gäste haben
ihn gesehen. Zur Vorspeise und zum Hauptgang ist er geblieben.
Das muss reichen. In seiner zweiten Funktion wollte sich
Röttgen den unberechenbaren Merz wohl nicht antun. In Berlin
ist er parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion,
ein wichtiges Rädchen im Merkelschen Machtsystem. Da geht man
lieber, wenn man vermuten darf, dass da gleich einer über die
Chefin herzieht. Dass er dann verpasst hat, wie Ex-Minister
Clement Jetzt-Minister Müntefering vorführte, mag Röttgen im
Nachhinein dennoch gewurmt haben.
Aal = Andere arbeiten lassen !
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