Freiwillige Jäger des 3. Westfälischen Landwehrregimentes
(Das Ostfriesische)



Entstehung unserer Einheit

1997 erfolgte die Aufstellung als "berittene freiwillige Jäger" des in Schwedt an der Oder ansässigen 5. Dragonerregimentes. Die zu dieser Zeit insgesamt sechs Jäger waren im Raum Wilhelmshaven ansässig und besassen eigene Pferde bzw. übten regelmäßig den Reitsport aus.
Ebenso teilten alle das Interessse an der Darstellung des historischen Lagerlebens, der Nachstellung einer Schlacht und der Einübung der nötigen Fertigkeiten wie Formationsreiten, Schießen,etc.

Die Entscheidung, als freiwillige Jäger einer größeren Einheit aufzutreten, geschah unter dem Gesichtspunkt, der kleinen Gruppe den Anschluß im Lager und der Schlacht zu erleichtern und das gemeinsame Agieren mit anderen Gruppen zu verstärken. Hierzu wurde die 1996 begonnene Kommunikation mit den Dragonern ab der Aufstellung vertieft und das gemeinsame Üben und Auftreten in der Schlacht vereinbart. Ein zweiter Grund war die Möglichkeit, als Jäger auch "zu Fuß" aufzutreten, ohne die Ausrüstung maßgeblich verändern zu müssen. Es muß lediglich der Säbel gegen eine Büchse mit Seitengewehr ausgetauscht werden und dann können je 2 Personen ein "Jägerpaar" für das Plänklergefecht bilden. Diese Vorgehensweise bot sich vor allem für Reenactments an, die weiter entfernt von Wilhelmshaven stattfinden und den Aufwand, ein Pferd und das nötige Zubehör mitzunehmen, nicht rechtfertigen.


Da es einigen der Jägern nicht mehr möglich war ein Pferd zu halten oder den Aufwand des Transportes zu den Schlachten zu bewerkstelligen, nahmen ab ca. 1999/2000 immer weniger Mitglieder unserer Gruppe beritten an Veranstaltungen teil. Dieser Trend wurde verstärkt durch nichtberittenen Zuwachs in der Gruppe und so entschlossen wir uns im Herbst 2000, komplett auf Infanterie umzustellen. Bei der Suche nach einer geeigneten historischen Einheit, die wir darstellen wollen, spielten auch Überlegungen zum örtlichen Bezug eine Rolle. Da der Kern unserer Gruppe in Wilhelmshaven und Umgebung beheimatet ist, entschieden wir uns für das 3. Westfälische Landwehrregiment mit dem Beinamen "Das Ostfriesische".
Es wurde im November 1813 nach der Rückeroberung des Königreiches Westfalen durch die Alliierten in Ostfriesland mit einem Aufruf an die Bevölkerung aufgestellt und nahm von dort aus an den weiteren Feldzügen teil. Obwohl unser historisches Vorbild nur an den folgenden Feldzügen Richtung Waterloo teilgenommen hat und wir somit bei einigen Reenactments historisch gesehen "Fehl am Platze" sind, war bei unserer Entscheidung der örtliche Bezug wichtiger.

Zwischenzeitlich ist unsere Einheit auf über 10 Jäger angewachsen und wir können mit einem Hauptmann und einem Feldwebel als Führung meistens genügend Büchsen zur Bildung von 4 Jägerpärchen ins Feld führen. In Zukunft kommt wahrscheinlich noch ein Fähnrich als Dienstgrad hinzu, da unser Hauptmann Aufgaben in der Preußischen Brigade wahrnehmen soll und so in der Schlacht nicht nur unsere Einheit zu führen hat. Hier sollen Feldwebel und Fähnrich unterstützen, beide werden aber trotzdem mit Büchse ins Feld ziehen und die Jägerpärchen verstärken. Stehen mangels Teilnehmern nicht genügend Büchsen zur Verfügung um als eigenständige Einheit aufzutreten, schliessen wir uns gerne einer grösseren Infanterieinheit an und agieren als deren Jägerdetachement.


Die Kleidung der Jäger besteht aus einem Kollet und einer Überhose mit rotem Seitenstreifen, beides in dunkelgrün mit hellgrünem Besatz. Als Kopfbedeckung kommt ein Tschako mit schwarzem Überzug oder die bei den Freiwilligen bevorzugte Schirmmütze in Farbe der übrigen Kleidung zum Einsatz. Für den Dienst im Lager wird als Lageruniform eine naturfarbene Leinenhose mit dunkelgrünem Kamisol zu Stiefeln oder Holzschuhen und der Schirmmütze getragen. Zur Felduniform wird ein schwarzer Schultergurt mit Patronentasche, ein Schultergurt mit Seitengewehr (Hirschfänger) und ein Leibriemen mit Schlangenschließe getragen. Auf der Patronentasche befindet sich das Posthorn der Jäger, sowie am Schultergurt das obligatorische Reinigungsgerät für die Büchse.

Die Bewaffnung besteht aus einer Jägerbüchse und einem Seitengewehr, das wie ein Bajonett auf die Büchse aufgesetzt werden kann. Die Büchse kann eine deutsche (Jäger-)Büchse sein, oder auch die englische "Baker Rifle", die in grösserer Zahl als Unterstützungsleistung an Preußen gegeben wurde.

Komplettiert wird die Ausrüstung durch einen Proviantbeutel aus schwarzem Leinenstoff, der ebenfalls mittels Schultergurt getragen wird, sowie einem Tornister mit braunem Fellbezug. Auf den Tornister ist die Mantelrolle aufgeschnallt, alternativ eine graue Wolldecke, sollte der Jäger keinen Mantel besitzen. Im Tornister wird die Reserveuniform und -wäsche, Essbesteck, Wasser, Verpflegung und eventuell vorhandene Reservemunition mitgeführt.


In ihrer insgesamt kurzen Geschichte als Berittene haben die freiwilligen Jäger an der Befreiung der Festung Bourtange (NL) im Mai 1998, und 1999, sowie der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1998 teilgeommen. In Bourtange waren je ein berittenes und ein Jägerpaar zu Fuß an der Befreiung beteiligt, die Völkerschlacht in Leipzig war der erste und leider auch einzige größere berittene Auftritt, mit insgesamt 5 Jägern zu Pferde.


Seit unserer Umbildung zur Infanterie haben wir an vielen verschiedenen Schlachten teilgenommen. Die Herausragendsten sind die Völkerschlachten 2001 und 2003 als Grossveranstaltung, die Schlacht an der Göhrde 2002 und die Befreiung der Festung Bourtange 2004. In kleinerer Besetzung wurden u.a. die Schlachten in Grossbeeren (2002, 2003), das Dreikönigstreffen Nahe Erfurt (2002) und das Biwak des Colbergschen Infanterieregimentes auf dem Wilhelmstein im Steinhuder Meer (2003, 2004) besucht. Die grösste Veranstaltung 2005 war im Juni die Teilnahme an der Schlacht bei Waterloo in voller Besetzung. Im Herbst konnten wir erfolgreich unseren 1. Platzes beim Steuben-Pokal in der Kategorie "Befreiungskriege" verteidigen.
Für 2006 planen wir im April beim Kampf um die Festung Bourtange und an der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt in möglichtst grösser Zahl teilzunehmen. Die Schlacht von Jena und Auerstedt fällt zwar in die Zeit vor den Befreiungskriegen (1806) und unsere Einheit existierte somit zu dieser Zeit eigentlich noch nicht. Trotzdem wir wie viele andere Einheiten aus der Zeit 1813-1815 am Reenactment dieser Schlacht mitwirken. Auch wollen wir versuchen, durch geringe Veränderungen an Uniform und Ausrüstung das "Look an feel" einer Einheit von 1806 nachzuempfinden.

Zu jeder Campagne der jüngeren Zeit, an der wir teilgenommen haben, versuchen wir zeitnah einen kurzen, amschaulichen Bericht zu verfassen. Diese Berichte wollen wir dann mit Bildern versehen hier veröffentlichen, was für letzes Jahr bereits geschehen ist.


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