Kürzestgeschichten

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Im Supermarkt

 

Piepsiger Befehlston vom Kind: Mama! Aber heute schiebe ich den Wagen. Nein, ein anderes mal. Ich habe es eilig und schiebe heute allein. Ich muss schnell Brot kaufen. Geheul und Fußgestampfe. Mama wird rot im Gesicht. Das Kind freut sich. Kind was sollen die Leute denken? Hör auf und sei brav. Mama, ich will den Wagen schieben; lass mich. Kind, hör auf mit heulen. Erst wenn ich den Wagen schieben darf. Ein anderes mal. Noch immer Geheul und Fußgestampfe. Mama geht zu dem Regal mit dem Brot. Heulend mit Fußgestampfe folgt das Kind.

 

 

Keine Teilnahme möglich

 

„Hartmut, nun bist du schon mit vier Frauen allein am Tisch. Fordere uns doch mal zum Tanzen auf!“ Claudia ist wieder bemüht, alle in das Gespräch einzuwickeln. „Wenn ich euch das erzähle, glaubt ihr mir eh nicht.“ Claudia hakt nach.

„Was glauben wir nicht? Du und Goldstar 3?“

„Dreimal habe ich mich zum Tanzkurs angemeldet...“ Katja unterbricht mich: „Und?“ „Erzähl!“ „Dreimal hieß es, keine Teilnahme möglich. Zu wenig Frauen!“ „Lügner!“ schallt es aus drei Frauenkehlen gleichzeitig. „Das glauben wir dir wirklich nicht! Katja sinniert kurz: „Herrenüberschuss! Auf zum Tanzkurs!“

 

 

Das Klassische

 

Die Kellnerin hat gerade die Bestellung aufgenommen. Ralf tritt von einem Fuß auf den anderen. Er hat nach dem Essen noch einen dringenden Termin. „Sven kommt später,“ verkündet Claudia den Freunden am Tisch. Schon ist die Kellnerin mit den Getränken da. „Das geht heute aber schnell,“ lobt Ralf die Kellnerin. Kaum hat sie die Gläser auf dem Tisch verteilt, bestellt Christina eine Apfelsaftschorle nach. Christina ist gerade erst in der Gaststätte angekommen. „Habt ihr schon Essen bestellt?“ Die ganze Runde ruft: „Ja.“ An die Kellnerin gewandt sagt Christina: „Für mich bitte einen Salat Anjou.“ „Habe ich notiert,“ spricht die eilige Kellnerin und ist schon wieder verschwunden. Ralf schaut ihr entgeistert hinterher. „Dabei wollte ich doch noch ein alkoholfreies Bier bestellen.“ „Bald ist sie wieder da,“ spricht Christina, während sie aufsteht. „Esst nicht meinen Salat. Ich bin mal eben für kleine Mädchen.“

„Brauchst du solange?“ frotzelt Sven, der gerade den kleinen Raum betritt und in kleinen Zügen ruckartig durch die Nase Luft einsaugt. Während er noch die Luft riecht, ist Christina zur Toilette.

„Sven, setz dich endlich hin. Du bist hier nicht im Parfümgeschäft.“

Wenig später wird das Essen serviert. Als die Freunde schon fast fertig sind mit Essen, erscheint Christina wieder am Tisch. Etwas bleicher als vorher, dafür mit einer immensen Duftwolke umgeben. Dagmar fragt sie: „Hattest du die Windel vergessen? Oder warum hast du viel Parfüm aufgelegt.“ „Als ich vorhin das Auto abgeschlossen hatte, dachte ich ein Haufen Eichenblätter waren unter meinem Schuh. Die Freunde unterbrechen ihr Essen und schauen gebannt auf Christina: „Und?“

„Es waren keine Blätter. Das Klassische.“

 

Eiliger Herbstspazierer

 

Mit lautem Pfeifen treibt der Wind die Blätter in der Allee in großen Bögen vorwärts. Will eins am grünen Rand ruhen, hebt eine Böe an und treibt es vor. Ein Spazierer, einer, der hastig vorwärts eilt, mit schwarzem Hut, greift hastig nach ihm. Zu spät. Der Wind hat ihn erfasst. Spiralig steigt der Hut zu den Wipfeln empor. Ärgerlich mit den Armen fuchtelnd schaut der Mann, nun ohne Hut, zu den kahlen Ästen der Wipfel. Mit dem Kopf kreisend, dem Hut mit Blicken folgend. Ein einziges verbliebenes, braungoldenes Blatt schaukelt mutig allein an einem Ast. Trotzt dem Wind und Böen. Der Hut weht dem Blatt entgegen. Der Spazierer streicht mit der Hand durch sein Haar. Weiß nicht, ob er weitergehen soll. Er hat es eilig. Eine heftige Böe zerzaust die gerade geordneten Haare, treibt den Hut noch höher hinein in die Baumkrone.

Windstille.

 

Im Aufzug

 

...das Rauschen ist zu Ende. Die Magengrube senkt sich in Richtung Beine. Panik. Es ist Freitag Abend, 22.47 Uhr im Bürohaus; der Hausmeister ist heute schon um 20 Uhr gegangen. Ich nehme den Hörer vom Nottelefon. Es ist stumm. Das Licht fällt aus.

 

 

Karpfenteich

 

Prasselnd klatschen die Getreidekörner auf das Wasser. Oben entstehen Kreise. Schatten ziehen durch das Wasser am Grund. Forellen. Forellen. Lange, kurze, dicke, dünne. Es sind Forellen. Hungrige Forellen. Große und kleine. Schnappen nach den Körnern. Sie waren schnell gekommen, sind schnell wieder geschwommen.

Ein weißer großer Fisch bricht aus dem dunkel hervor. Maul weit auf und zu und auf und zu. Saugend am Grund entlang. Körner fressend. Die Forellen sind schon lange fort.

 

 

 

 

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