75 Jahre Kolpingsfamilie Bawinkel


Die Kolpingsfamilie vor der Bawinkeler Kirche

Mit festlicher Musik – „Trumpet Tune“ von Henry Purcel für Orgel und Trompete -  begann die Sonntag-Vorabendmesse in der St. Alexander-Kirche Bawinkel aus Anlass der 75-Jahrfeier der Kolpingfamilie, an der sich auch die benachbarten Kolpingfamilien mit Bannern beteiligten. Kolping-Diözesanpräses Prof. Heinrich Jacob, Osnabrück,  feierte die Hl. Messe in Konzelebration mit Pastor Jörg Ellinger und Diakon Franz - Georg Krummen; an der Orgel Hans-Rudolf Britten, Trompete Alexander Lüken. 

Professor Jacob interpretierte in der Predigt das Matthäus-Evangelium „Vom Salz der Erde und vom Licht der Welt“ dahingehend, dass es ohne Salz kein Leben gebe und es daher ein kostbares Gut sei. Salz würze die Speisen und bringe Geschmack und Würze ins Leben. Christen und dazu gehörten die Kolpinger seien aufgerufen, das Salz in der Gesellschaft zu sein und in die Gesellschaft hineinzuwirken als Diener und überzeugte Zeugen des Glaubens. So würden sie als Christen des Alltags dem Auftrag Jesu gerecht.

 

   
 

 Auf der anschließenden Jubiläumsfeier im Saal der Gaststätte Müter konnte Kolpingvorsitzender Hermann Lüken eine große Zahl von Kolpingern und Gästen begrüßen, namentlich insbesondere MdB Dr. Hermann Kues, der die Festansprache hielt, ferner Pastor Jörg Ellinger und als Präses Diakon Franz-  Georg Krummen, als Vertreter des Diözesanvorstandes Diözesanpräses Professor Dr. Heinrich Jacob und die Diözesansekretäre Gerd Holtkotten und August Roosmann. Er hieß Samtbürgermeister Josef Liesen, Bürgermeister Adolf Böcker und Ehrenbürgermeister Hans Brinkmann mit ihren Ehefrauen sowie die Leiterin der Grundschule Bawinkel Annette Brinkmann herzlich willkommen, ferner auch als Vertreterin der evangel. Kirche Rosa Schumacher,  Bezirksvorsitzenden Benno Barkmann und die Vertreter der benachbarten Kolpingfamilien ebenso wie die ehemaligen Vorsitzenden der Kolpingfamilie Bawinkel, wozu auch CDU-MdL Heinz Rolfes gehörte. Ebenso herzlich begrüßte Lüken den Heimatchor Bawinkel unter der Leitung von Hans Grote. Der Männerchor erfreute die Anwesenden mit einigen Gesangseinlagen. 

Grußworte der Samtgemeinde Lengerich und der Gemeinde Bawinkel übermittelte Bürgermeister Adolf Böcker, der die vielen Aktivitäten der Kolpingfamilie lobend hervorhob und darauf verwies, dass lebendige Vereine das Salz in der Gemeinde sei,  wie es der Prediger in der Kirche verdeutlicht  habe.


Die Riege der Senioren und Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Bawinkel 

Bevor die Anwesenden zum gemütlichen Teil des Abends übergingen, erläuterten Leitender Diözesansekretär Gerd Holtkotten, Osnabrück, und Bezirksvorsitzender Benno Barkmann, Salzbergen, die Glückwünsche des Kolping-Diözesanvorstandes bzw. der benachbarten Kolpingfamilien und viele Vertreter der örtlichen Vereine und der ev. Kirche  überbrachten Glück- und Segenswünsche sowie „Flachgeschenke“.

Hermann Lüken, der die Kolpingbrüder Engelbert Lüske und Leo Gelze für 50-jährige treue Mitgliedschaft, Alfons Thien, Franz-Georg Krummen und Heinrich Hüer für 40-jährige Treue und Kolpingschwester Dorothe Moß für 25 Jahre Mitgliedschaft mit einer Urkunde und der silbernen/goldenen Ehrennadel des Kolpingwerkes ehrte, ließ die 75-jährige Geschichte der Kolpingfamilie Bawinkel stichpunktartig Revue passieren und verwies darauf , wie vielschichtig die Themen der Versammlungen und die Aktivitäten der Kolpingfamilie  waren. Lüken erinnerte auch daran, dass die 1929 angeschaffte Kolpingfahne von den Nazis 1933 beschlagnahmt worden sei, aber von mutigen Kolpingern unter einem Scheinvorwand wieder abgeholt und im Pfarrhaus versteckt worden sei.


Die Jubilare Franz-Georg Krummen, Engelbert Lüske und Alfons Tihen. 
Mit im Bild Pfarrer Ellinger, Hermann Lüken und Prof. Heinrich Jacob.

  „Die Fehlentwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft haben im Kern etwas zu tun mit unseren veränderten Wertvorstellungen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Kues in seiner Festrede. Er sprach den Verantwortlichen der Kolpingfamilie Bawinkel seinen Dank aus, da. sie über Jahrzehnte vorlebten, dass der Mensch nicht nur für sich da, sondern auf Gemeinschaft hin angelegt sei. In einer Zeit des Umbruchs und der Widersprüche komme es darauf an, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen. 

Die Menschen, insbesondere die Jugendlichen, hätten es in der Wohlstandsgesellschaft materiell ungleich leichter als frühere Generationen, sie hätten es allerdings ungleich schwerer, ideell den sog. „roten Faden“ zu finden: Wie soll ich und kann ich leben? Was ist wichtig, woran kann ich mich orientieren? Eine Mentalität, wenn jeder nur das betreibe, was ihm Spaß mache, bereite letztlich den Weg zu einer extrem ich-bezogenen Gesellschaft. Es gehe aber um die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, das zu tun, was notwendig sei, auch wenn es schlichte Pflichererfüllung bedeute, betonte der Politiker.

Die Deutschen seien eines der „ärmsten Länder der Welt“ beim Nachwuchs, unterstrich Kues. Sie stünden an 170. Stelle von 180 Ländern. Der nüchterne Begriff der „Demographie“ verharmlose die Situation. Von den vor 1940 geborenen Frauen sei etwa jede 10. kinderlos geblieben, von den nach 1970 geborenen Frauen werde es voraussichtlich jede Dritte bleiben. Solange das Leben ohne Kinder offenkundig im Endeffekt als attraktiver empfunden werde als ein Leben mit Kindern, sei die Zukunft für solche Gesellschaften infrage zu stellen.

Die Altersentwicklung wirke sich auch massiv in den sozialen Sicherungssystemen und in der Arbeitswelt aus. Jemanden zu sagen, er müsse länger arbeiten, ohne zu sagen, wo? Das passe nicht zusammen. Abschließend forderte der Abgeordnete, der auch Kolpinger ist, die Anwesenden auf, sich zu engagieren in Kirche, Arbeitswelt und Politik, so wie es Adolph Kolping vor 150 Jahren vorgelebt habe.