Schlauchboot-Tour auf der Mosel

Meine Familie und ich planten für den 26.05 - 29.05.05 einen Kurzurlaub an der Mosel. Natürlich mit unserem Schlauchboot.
Wir suchten uns den bekannten Fernsehort Ürzig aus, er heißt wohl im Film Moselblick, und liegt zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trabach. Im Ort selber fanden wir eine sehr nette, familiäre Pension (Gästehaus Petra).
Nach kurzer Kartenrecherche entschied ich mich für die Anfahrt über Belgien. Das sollte so rund 50/60km sparen. Also rauf nach Lüttich und dann über die A27(B) in Richtung Luxemburg bzw. kurz vor Bitburg (A60) wieder wechseln auf die deutsche Seite. Ohne jeglichen Stau und Aufregung erreichten wir unser Zielgebiet. Einquartieren und besichtigen der Aufbau und Einlassstelle. Ausgesucht hatten wir uns eine Feuerwehrrutsche. Diese gibt es alle paar Kilometer und dienen der Freiwilligen Feuerwehr als Einlassstellen für ihre Einsatzboote.
Also , Freitagmorgen sofort nach dem Frühstück zur Feuerwehrrutsche. Neben der Feuerwehrrutsche ein Kurzplatz für Wohnmobile (Preis 6 Euro). Diese gibt es wohl zu Hunderten an der Mosel.
Wir unser Material ausgeladen und sofort mit dem Aufbau des Bootes begonnen. Plötzlich taucht ein älterer Mann auf und stellt ganz gezielte Fragen.
Langsam wurde er mir unheimlich und es stellte sich heraus, dass der Herr ehemaliger Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes war. Dann wurde mir während der Aufpumpaktion der Verlauf der Fahrrinne und die Besonderheiten der Mosel erklärt. Und zum Schluss noch der Hinweis, das wir uns nicht die Bootsschleusen durchgehen lassen sollen. Das wäre ein Erlebnis. Am Samstag die selbe Begegnung wieder, nur diesmal in Begleitung. Ein ehemaliger WSP Mann.
Was sonst eine halbe Stunde dauerte, dauerte jetzt halt eine Stunde, denn es gesellten sich noch ein paar interessierte Wohnmobillisten zu uns.
Am ersten Tag ging es flussabwärts in Richtung Traben-Trabach. Einfach nur herrlich die Fahrt an den zahlreichen Moselorten vorbei. Auf der Rücktour dann an einem schattigen Plätzchen Rast machen. Aber wo ? Die Ortschaft Kröv, bot dazu einen optimalen Anlieger und im Blickfeld ein "Norma"-Laden. Also Boot festgelegt und Dagmar Eis geholt.
Jackie und ich suchten zwischenzeitlich einen geeigneten Picknickplatz im Schatten. Aufgrund unserer Unerfahrenheit in Sachen Benzinverbrauch traten wir dann den Rückweg an. Aber kurz vor Ürzig fanden wir noch eine Superstelle zum Schwimmen, ruhen und genießen.
Am nächsten Tag sollte es wieder vollgetankt und mit der Kenntnis wie viele Kilometer wir ungefähr zurücklegen können, in Richtung Bernkastel-Kues gehen. Aber zwei Kilometer hinter Ürzig die Schleuse. Für uns ein unüberwindbares Hindernis ? Jackie setzte die Entscheidung: "Wir müssen dadurch - ich möchte jetzt schleusen." Also Dagmar und Jackie am Schleuseneingang abgesetzt und Beide nahmen daraufhin die Selbstbedienung in Augenschein. Nach kurzer Ruhezeit der Ruf: " Dürfte alles klar sein, Du kannst rein.". Oh weh, was tue ich mir da an. Also rein in die dunkle, tiefe Kammer. 18 m lang und ca. 3m breit. Festgemacht und der Ruf zum Eintaster. Das Tor geht zu - gefangen - dann ein Wassergepoltere - aber ich sehe nichts. Was geschieht mit mir, war dies das Ende einer Schlauchboot-Tour? Nein, der Wasserspiegel steigt und ich komme langsam aber sicher wieder an die Oberfläche. Dann geht das Tor auf und ich dachte immer, dass zuerst die Ausfahrenden raus dürfen/sollen. Vor mir ein mit vier Personen besetztes "Gummiboot". Ich dachte zuerst an Piraterie. Aber Glück gehabt, nur Mitmenschen die andere Regeln hatten.
Dagmar und Jackie wieder an Bord genommen und schon waren wir wieder eine vereinte glückliche Familie. Dann der neue Befehl von Jackie: " Volle Fahrt aufnehmen und ab nach Bernkastel."
Rund zwei Kilometer gefahren. Dann ein merkwürdiges Geräusch. Ein Geräusch was ich noch zu gut von meinen RD-San-Diensten auf dem Aachener "Hobbyflughafen" kannte. Kurzer Blick zurück und was sehe ich ? Ein Wasserflugzeug was anscheinend neben, hoffentlich nicht hinter, uns landen möchte. Das hat mir keiner beim Bootsführerschein gesagt und auch keiner im Schlauchboot-Forum. Also Ruhe bewahren, Geschwindigkeit senken und dann einfach weiter. Bin ja ehrlich, der Junge war schneller als ich.
Aber das waren jetzt schon zwei Abenteuer innerhalb einer Stunde.
Auf der Rücktour mussten wir mit drei Booten in die Schleusenkammer. Die Kammer war daraufhin gut besetzt. Die Bugspitze der 11m Yacht kratze verdächtig nah an unseren Köpfen, aber vor uns der ältere Herr mit seinem Festrumpfboot , strahlte Ruhe aus. Nur konnte man sich jetzt nicht über die Bedienung der Schleuse einigen. Dagmar hatte zwar die Bedienung in die Hand genommen. Morgens hatte ja auch alles geklappt. Aber es gibt halt Profis. Zuerst den roten dann den grünen Knopf drücken und noch einmal und noch einmal, kamen die Hinweise.
Ich glaube so oft wie an diesem Nachmittag mussten die Elektroschütze und die Motoren noch nie ihre Funktion ändern.
Aber irgendwann wurde sich doch auf die Handhabung nach Aushang geeinigt und es ging bergab. Als wir rausfuhren, tauchten wieder die "Piraten" auf. Nur diesmal im Kampf gegen zwei rund 11m Yachten. Werbung fürs Schlauchbootfahren war es nicht gerade. Aber eine Forums-Visitenkarte habe ich Ihnen nicht gegeben, denn daraus wären wahrscheinlich nur Zigaretten oder Tatoos gedreht worden.
Nachdem ich dann Frau und Kind wieder an Bord hatte und ein paar nette Worte noch mit der einfahrenden Yachtbesatzung gewechselt hatte, fuhren wir wieder in Richtung "unseres" Badestrandes. Vorbei an Berufsschiffer und Fahrgastschiffe und an die verdrängende 11m Yacht aus der Schleusenkammer.
Am "Badestrand" habe ich dann noch ein paar Experimente gewagt. Unter anderem - Unterwasserfotos. Mal sehen, ob das etwas geworden ist. Erstaunlich für uns, war das klare Wasser der Mosel.
Aber ich muss ehrlich sagen, der Kurzurlaub hat gut getan und viel Spaß gebracht. Die Gegend ist super und sicherlich auch für ein Schlauchboot-Treffen geeignet. Was haltet Ihr davon ?
Fotos findet man hier Schlauchboot-Moseltour 2005
Gruß Hans, Dagmar und Jackie